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Innere Medizin 10. April 2013

Plasma-Blutwäsche hilft immer mehr Patienten

Eigene Fachgesellschaft Austrian Apherese Association gegründet. 

Erhöhte Konzentrationen bestimmter Eiweißkörper im Blut stehen im Hintergrund vieler schwerer Erkrankungen. Das reicht von extrem erhöhten Blutfettwerten (Familiäre Hypercholesterinämie) bis hin zu Autoimmunkrankheiten und Allergien. In den vergangenen 20 Jahren hat sich bei sonst nicht behandelbaren Fällen die Plasma-Blutwäsche als hoch effiziente Therapie etabliert. Dabei werden regelmäßig die gefährlichen Eiweißbestandteile aus dem Blut ̈gefischt ̈. Die österreichischen Spezialisten haben jetzt eine eigene Fachgesellschaft (Austrian Apherese Association - AAA) gegründet.

 

"Wir haben 1990 mit der LDL-Cholesterin-Apherese begonnen", erklärte Kurt Derfler von der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien am AKH bei einer Pressekonferenz in Wien zur Geschichte der Methode. Dieses Verfahren, bei dem wöchentlich zunächst das Blutplasma aus dem Blut abgetrennt und dann praktisch alle Blutfette exklusive des "guten" HDL-Cholesterins durch Adsorption beseitigt werden, schützt Patienten mit medikamentös nicht ausreichend behandelbarer ererbter Hypercholesterinämie vor frühzeitiger Atherosklerose. Nuklearmediziner Prof. Dr. Helmut Sinzinger (MedUni Wien/AKH): "Damit kann man bei diesen Patienten Herzinfarkte, Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Zwischenfälle zu rund 90 Prozent verhindern."

Lupus-Behandlung

Um die Beseitigung von Antikörpern aus dem Blut geht es bei der Behandlung von schweren Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes, bei der die verschiedensten Organe von gegen das eigene Gewebe gebildeten Antikörpern angegriffen wird. Georg Stummvoll von der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien (Klinische Abteilung für Rheumatologie am AKH): "Dabei werden die Antikörper aus dem Blut durch Bindung adsorbiert und entfernt." Über Adsorptionssäulen werden die Antikörper an ihren nicht variablen Protein-Bestandteilen gebunden. Dass dabei nicht nur die schädlichen Autoantikörper entfernt werden, macht offenbar nichts aus.

Anwendung in der Transplantationsmedizin

Eine ähnliche Anwendung gibt es bei der Überwindung der AB0-Blutgruppen-Inkompatibilität zwischen Organspendern und Organempfängern. Das ist besonders wichtig in der Lebendspende von Organen, weil da die immunologische Verträglichkeit natürlich nicht immer gegeben ist. Auch hier hilft eine Plasmapherese mit Entfernung der Antikörper, welche nach der Transplantation sofort eine aggressive Abwehrreaktion auslösen würden.

Methode bei Allergie

Eine neue Methode zur Behandlung von Typ-I-Allergikern (Pollen, Hausstaubmilbe etc.), bei denen weder symptomatisch wirksame Medikamente (Antihistiman etc.) noch eine herkömmliche spezifische Immuntherapie einen ausreichenden Effekt zeigen, entwickelt ein Team um den Wiener Pathophysiologen Rudolf Valenta (MedUni Wien/AKH). Sie wollen auf industrieller Basis spezielle Antikörper-Fragmente produzieren, mit denen man das bei Allergikern die akute Immunreaktion auslösende Immunglobulin E (IgE-Antikörper) im Rahmen einer Plasmapherese aus dem Blut entfernen kann. Nach einigen Behandlungen soll die IgE-Konzentration dann auf für den Betroffenen ungefährlichen Niveau angelangt sein - und dort auch bleiben.

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