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Innere Medizin 30. Juni 2005

Was die Radiologie für Diabetiker tun kann

Ultraschall, Magnetresonanz- und Computer-Tomographie können nach der Erstmanifestation eines Diabetes wertvolle Hinweise zur Einschätzung drohender Sekundärerkrankungen liefern.

Atherosklerotische Gefäßveränderungen stehen an erster Stelle der gefürchteten Spätfolgen bei Diabetikern. Zur Beurteilung der ver-schiedenen Problemregionen kommt in erster Linie die Sonographie zum Einsatz, z.B. die Farb-Duplex-Sonographie zur Diagnose von Verkalkungen der Arteria carotis. Letztlich lässt sich damit das Risiko für ein ischämisches Insultgeschehen besser erkennen und mitunter sogar verhindern. Im Bereich der Nieren sind sowohl mit der Erkrankung assoziierte Schäden bzw. eine eventuelle Nie-renarterienstenose sonographisch gut zu diagnostizieren. „Sollte der Ultraschall keine klare Aussage ermöglichen, kann eine Stenose mittels Magnetresonanz-Tomographie (MRT) oder moderner Computer-Tomographie ausgeschlossen werden“, so Doz. Dr. Michael Stiskal, OA am Zentralröntgeninstitut im Krankenhaus Wien-Lainz.„Wenn wir über Screening reden, sehe ich auch eine besondere Chance in der Früherkennung der diabetischen Osteoarthropathie und deren Folgen“, so Stiskal. Hier kann mittels MRT und Verwendung von Kontrastmitteln mittlerweile sehr genau zwischen einer akuten und einer chronischen Osteomyelitits, den typischen Veränderungen im Rahmen der Osteoarthropathie bzw. deren Spätfolge, dem sog. Charcot-Gelenk, unterschieden werden.

Weniger Amputationen

Davon profitiert einerseits der Patient durch frühzeitige therapeutische Maßnahmen bzw. eine möglichst schonende chirurgische Intervention. Mit orthopädischen Hilfen beispielsweise lassen sich oft Sekundärfolgen wie Ulcus oder Charcot-Gelenk bzw. Osteomyelitis verhindern. „Durch den rechtzeitigen und gezielten Einsatz bildgebender Verfahren ließe sich die Amputationsrate deutlich reduzieren“, ist Stiskal überzeugt. Dies sei vor allem auch volkswirtschaftlich von Bedeutung. Bei der Untersuchung von Diabetikern lassen Radiologen besondere Sorgfalt walten. Üblicherweise bestehen bereits Probleme mit der Niere, weshalb die Applikation von Kontrastmitteln genau abzuwägen ist. „Für CT und Röntgen stehen heute so genannte nicht-ionische nierenschonende Mittel zur Verfügung, was bedeutet, dass diese Substanzen bei gleichem Kontrastverhalten weniger nephrotoxisch sind“, beruhigt Stiskal. In der MRT ist die Problematik der Nephropathie eigentlich nicht zu berücksichtigen, denn das dort verwendete Gadolinium und seine verschiedenen Derivate sind in der derzeit verwendeten Dosierung üblicherweise nicht nephrotoxisch. Mangels definitiver Richtlinien schlägt der Radiologe den behandelnden Ärzten vor, bei Erstmanifestation eines Diabetes zumindest einmal eine Carotis-Duplexsonographie und einen Nierenultraschall zu veranlassen sowie einmal ein Röntgen der Vorfußregion, um Frühzeichen einer diabetischen Osteoarthropathie zu erkennen. „Sobald eine Gefäßsklerose mit entsprechender Klinik gesehen wird, ist eine MRT indiziert, um eine Osteo-myelitis bzw. ein beginnendes Charcot-Gelenk auszuschließen“, so Stiskal.

H. Hauser, Ärzte Woche 3/2002

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