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Innere Medizin 3. April 2006

Zusatzwirkungen der Glitazone

Zusätzlich zu ihrer blutzuckersenkenden Wirkung haben Glitazone modifizierenden Einfluss auf Entzündungsprozesse, verbessern die Endothelfunktion und reduzieren die Thrombenbildung.

Aufgrund ihres multifaktoriellen Wirkmechanismus könnten Glitazone in frühen Stadien des metabolischen Syndroms indiziert sein, um die Progression von Insulinresistenz zu Diabetes zu verhindern und die vaskuläre Gesundheit zu verbessern. Aufgrund ihres nachgewiesenen unabhängigen Vorteils im Einsatz gegen kardiovaskuläre Risikofaktoren werden Glitazone sowohl als Mono- als auch Kombinationstherapie in der Behandlung von Typ-2-Diabetes an Bedeutung gewinnen. Da kardiovaskuläre Krankheiten die vorherrschende Ursache für Todesfälle unter Patienten mit Diabetes mellitus Typ-2 (DM2) darstellen, ist es wichtig, bei den kardiovaskulären Risiken in dieser Patientengruppe anzusetzen. Brunzell JD et al. zeigten in einer aktuellen klinischen Studie an 72 gut eingestellten Typ-2-Diabetikern (HbA1c <6,6) mit Hyperlipidämie, welche seit mindestens acht Wochen mit Statinen behandelt worden waren, eine Verbesserung des Lipidmetabolismus (JACC 2004; 43(suppl A): Abstract 1124-192). Die Patienten wurden entweder auf Rosiglitazon (Avandia®) 4mg/d oder 8mg/d oder Plazebo randomisiert.

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Wirkung der Statine wird komplettiert

Nach zwölf Wochen bewirkte Rosiglitazon eine Erhöhung des HDL-Anteils im Gesamtcholesterin und verschob die LDL-Konformation von den kleinen, atherogenen (small-dense) Partikeln zu den weniger atherogenen (buoyant) Partikeln. Zusätzlich wurden die CRP-Spiegel um zirka 40 Prozent reduziert. Diese Wirkungen wurden unabhängig von der Blutzuckersenkung beobachtet und komplettierten somit die Wirkung der Statine. Dass Wirkungen jenseits der Verbesserung der Insulinsensitivität auch klinisch relevant sind, beweisen zwei Studien, welche zeigen, dass Rosiglitazon die Restenoserate von Stents bei Diabetikern, welche gegenüber Nicht-Diabetikern erhöht ist, halbierte (17,6 vs. 38,2 Prozent; p=0,03; Ko Y-G, et al., JACC 2004; 43(suppl A): Abstract 1062-46). Zwischen den Gruppen der Antidiabetika gab es hinsichtlich des Blutzuckers keine Unterschiede. Rosiglitazon reduzierte die Restenoserate nach koronarem Stenting also durch einen Mechanismus, der von der Blutzuckersenkung unabhängig war. Ähnliche Ergebnisse zeigte eine plazebokontrollierte Studie mit 93 Patienten (Choi SH et al., Diabetes 2003; 2003 Annual Meeting: Abstract 82). Nach sechs Monaten betrug die Restenoserate 45 Prozent in der Plazebogruppe und elf Prozent in der Rosiglitazon-Gruppe. Den neuesten Hinweis auf die vorteilhafte Wirkung von Glitazonen auf das Fortschreiten von kardiovaskulären Krankheiten lieferte eine Studie, die die Wirkung von Rosiglitazon auf antiinflammatorische Prozesse untersuchte (Mazurek T, et al., JACC 2004; 43(suppl A): Abstract 841-5). In dieser Ex-vivo-Studie an menschlichen atherosklerotischen Plaques zeigte sich, dass Rosiglitazon die Freisetzung von Entzündungsmediatoren wie TNF und MCP-1 vermindern konnte, und lieferte damit einen Ansatz für weitere Studien in diese Richtung.

Klinische Signifikanz

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Verbesserung der Insulinsensitivität bei DM2-Patienten nur eine von mehreren wichtigen Wirkungen darstellt. Viele der Studien zeigten eine Assoziation der Glitazone mit antiinflammatorischen Wirkungen, reduzierter Dyslipidämie und verbesserter endothelialer Funktion unabhängig von der Wirkung auf den Glukosemetabolismus. Dass Avandia® die Restenose nach koronarem Stenting verhindern kann, ist derzeit die wichtigste Demonstration, dass diese Wirkungen von klinischer Signifikanz sind.

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