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Innere Medizin 3. April 2006

Auch Diabetiker können heute überallhin reisen

Wie sollte Insulin bei Hitze und Kälte transportiert werden? Wie wird die antidiabetische Therapie bei Durchfall angepasst? – Viele Fragen sind zu klären, wenn Diabetiker auf Reisen gehen.

Diabetiker fahren heute nicht mehr nur in Österreich auf Urlaub, sondern zum Beispiel auch in die Sahara. Egal wohin die Reise führt, sie ist immer mit ungewöhnlichen körperlichen Belastungen, meist unter verändertem Klima und mit ungewohntem Essen, verbunden. Wie man sich dabei medizinisch am besten vorsorgen lässt, besprechen die Patienten am besten mit dem Hausarzt. Was gehört zur Reiseberatung bei Diabetes? Empfohlen wird eine Kontrolluntersuchung vier bis sechs Wochen vor der Reise, die aktuelle Blutzuckereinstellung und der HbA1c sollten überprüft werden. Bei Typ-2-Diabetes werden zudem ein EKG und eventuell eine Ergometrie empfohlen. Es wird geraten, einige wesentliche Dinge zu klären:

•  Wie gut und wie stabil ist der Stoffwechsel eingestellt?
•  Wie ist der Patient geschult, wie gut sind die Compliance und die Selbstkontrolle?
•  Gibt es Organkomplikationen?
•  Welche Belastungen durch Klima, Stress und körperliche Anstrengungen oder auch Infektionen sind bei der Reise zu erwarten?
Ergeben sich dabei Hinweise auf Risiken, müssen die Patienten dazu intensiv beraten werden. Gelegentlich ist auch von einer Reise abzuraten. Als Kontraindikationen für Auslandsreisen überhaupt gelten unter anderem rezidivierende Ketonurie, häufigere schwere Hypoglykämien oder auch schwere Fußulzera sowie Organkomplikationen, bei denen eine ständige ärztliche Betreuung erforderlich ist. Problematisch sind Reisen zum Beispiel für Patienten mit autonomer Neuropathie, die Hypoglykämien nicht ausreichend wahrnehmen. Sie sollten nur in Begleitung von Vertrauenspersonen reisen, die Glucagon injizieren können.

Gefrieren schädigt Insulin

Bei der Lagerung von Insulin im Urlaub ist zu beachten, dass das Hormon seltener durch Hitze als durch Kälte geschädigt wird. Hitze über 40°C ist für Insulin aber zu meiden. Bei heißem Klima sollte es etwa in einer kalt ausgespülten Thermoskanne gelagert werden. Sehr schnell unwirksam wird Insulin durch Minustemperaturen. Optimal ist die Lagerung im Kühlschrank bei etwa 8°C. Für die An- und Rückreise sollten Diabetiker einen Drei-Tages-Bedarf an Medikamenten, Teststreifen, Spritzen und weiteren wichtigen Dingen im Handgepäck haben. Ständig verfügbar sein sollten zudem kleine kohlenhydratreiche Zwischenmahlzeiten sowie Traubenzucker zum Schutz vor Hypoglykämien. Eventuell sollte auch ein Glucagon-Notfallset mitgeführt werden und eine Begleitperson mit der Injektion von Glucagon vertraut sein.

Diabetiker-Ausweise in der Landessprache

Ebenfalls ins Handgepäck gehört ein Diabetiker-Ausweis in der Landessprache. Bei Reisen ins Ausland ist zudem eine Bescheinigung für den Diabetikerbedarf (deutsch/englisch) nötig, um bei Grenzkontrollen wegen mitgeführter Spritzen oder Pens keine Probleme zu bekommen. Ferner muss für den Fall vorgesorgt werden, dass Medikamente während der Reise verloren gehen oder unwirksam werden. Patienten sollten sich dazu in ihrer Hausapotheke erkundigen, ob ihre Medikamente im Reiseland verfügbar sind oder welche Präparate dort alternativ angeboten werden. Für diese Medikamente sollten die Patienten dann Rezepte mit auf die Reise bekommen.

Hypoglykämie-Beratung

Wichtig für die Beratung sind zudem Verhaltensregeln bei Hypoglykämien sowie die Anpassung der Therapie bei Fieber oder auch Durchfall/Erbrechen. Auch die Fußpflege ist ein wichtiges Beratungsthema. Ungeeignete Schuhe bei Wanderungen, Verletzungen oder Verbrennungen durch heißen Sand oder Fliesen können zu komplizierten schlecht-heilenden Läsionen führen. Wenn insulinabhängige Diabetiker lange Flugreisen planen, dann muss das Problem der Zeitverschiebung angesprochen werden. Bei Therapie mit dem lang wirksamen Insulin glargin empfiehlt der Hersteller, den 24-Stunden-Rhythmus beim Spritzen beizubehalten: das heißt, werden zum Beispiel bei Reisen nach USA durch Zeitverschiebung sechs Stunden eingespart, dann wird während der Reise nach der aktuellen Ortszeit immer sechs Stunden früher als zuhause gespritzt. Bei anderen Basalinsulinen wird empfohlen, die Dosis anzupassen. Faustregel: Die binnen 24 Stunden zu verabreichende Insulindosis reduziert sich um den Bruchteil, der sich aus der Zeitverschiebung ergibt. Wer also Richtung Osten sechs Zeitzonen überfliegt, der sollte am Flugtag seine Insulindosis um sechs 24stel, also ein Viertel, reduzieren. Bei Reisen in Richtung Westen muss die Dosis entsprechend erhöht werden, natürlich immer begleitet von Blutzuckerkontrollen. Ein Flugplan kann für Patienten im Internet erstellt werden.

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