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Innere Medizin 30. Juni 2005

60 Prozent der Diabetiker benutzen Nadeln öfters

Wie handhaben Diabetiker ihre Insulininjektionen? Dazu sind in einer europaweiten epidemiologischen Pilotstudie insulinpflichtige Diabetiker befragt worden. Dabei kam unter anderem heraus, dass nur 38 Prozent die Injektionsstelle regelmäßig wechselten. Fast 60 Prozent verwendeten die Injektionsnadeln mehrfach. Bei einem Drittel der Patienten war es zu einer Lipohypertrophie in den Injektionsarealen gekommen. 

An dieser Studien haben 1002 insulinpflichtige Typ-I- und Typ-II-Diabetiker aus 22 Zentren in sieben europäischen Staaten - Deutschland (258 Patienten), Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Schweden, Spanien - teilgenommen. Die Patienten waren im Durchschnitt 46,9 Jahre alt, die mittlere Diabetesdauer betrug 14,7 Jahre. Sie hatten im Durchschnitt einen HbA1c-Wert von 8 (4,3 - 16,2), der tägliche Insulinbedarf betrug im Mittel 48,8 I.E. (3 - 178 I.E.). 58 Prozent der Teilnehmer hatten einen Typ-I-Diabetes (Pract Diab Int 19 (3), 2002, 71) 

Zwei Drittel verwenden Pen 

Wie die Befragung, die von dem Unternehmen Becton Dickinson unterstützt wurde, ergeben hat, benutzten 64 Prozent der Patienten einen Pen, 19 Prozent eine Spitze, und 15 Prozent machten von beiden Injektionsmöglichkeiten Gebrauch. Bevorzugte Injektionsareale waren mit über 80 Prozent das Abdomen und mit fast 70 Prozent die Oberschenkel. 70 Prozent der Diabetiker injizierten das Insulin in einen Hautwulst. Diese Patienten hatten niedrigere HbA1c-Werte als Patienten, die diese Methode nicht anwenden. Eine bessere Blutzuckereinstellung wiesen auch die Patienten auf, die die Nadel nach der Injektion noch einige Sekunden in der Haut belassen und sie nicht gleich herausziehen. Offensichtlich kann sich das Insulin dadurch besser im Gewebe verteilen. 

Die besten HbA1c-Werte hatten die Patienten, die die Insulindosis dem aktuellen Bedarf angepasst haben. Dabei korreliert die Zahl der Injektionen pro Tag mit der Güte der Blutzuckereinstellung: Die Diabetiker aus Schweden und Deutschland nahmen im Mittel täglich etwa 3,8 Insulininjektionen vor und erreichten damit einen HbA1c-Wert von im Durchschnitt etwa 7,5. Die höchsten HbA1c-Werte wiesen die Patienten aus Großbritannien (9,5) und Frankreich (8,6) auf - sie hatten im europäischen Vergleich auch die geringsten Injektionsraten (durchschnittlich etwa 2,7 Injektionen pro Tag). 

Lipohypertrophie 

Nur 38 Prozent wechselten das Injektionsareal regelmäßig. 62 Prozent berichteten über Quetschungen (bruising) und fast 30 Prozent über umschriebene, bewegliche Fettablagerungen (Lipohypertrophie) an den Injektionsstellen. 59 Prozent der Diabetiker benutzten die Injektionsnadeln mehrfach - einige sogar mehr als zehn Mal. Der europäische Durchschnitt liegt hier bei 3,3 (Deutschland: mehr als vier Mal). Bei den Patienten, die dieselben Injektionsnadeln öfter benutzen, kam es tendenziell häufiger zu einer Lipotrophie an den Injektionsstellen. 

Dabei stieg das Risiko für diese Läsionen mit der Zahl der Injektionen pro benutzter Nadel und betrug im Durchschnitt 31 Prozent. Ein signifikant höheres Risiko für eine Lipodystrophie ergab sich für die Diabetiker, die die Nadeln wiederholt benutzten und dabei auch immer wieder das gleiche Injektionsareal (etwa 5 x 4 Quadratzentimeter wählten): Sie hatten ein um 43 Prozent erhöhtes Risiko für diese Hautveränderung. 

Aufgrund dieser Ergebnisse kommen die Autoren zu dieser Schlussfolgerung: Um das Risiko für eine Lipohypertrophie zu senken, sollten insulinpflichtige Diabetiker die Injektionsstellen regelmäßig wechseln, für jede eine Nadel benutzen und Hautstellen verwenden, die keine Lipohypertrophie aufweisen. Denn aus neueren Studien hätten sich Hinweise darauf ergeben, dass die Insulinfreisetzung aus lipohypertrophischen Hautstellen ungleichmäßig ist, was die Blutzuckereinstellung beeinträchtigt

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