zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 10. April 2006

Adipositas: Lebenslanges Management erforderlich

Die Zusammenhänge zwischen der chronischen Krankheit Adipositas und der Entstehung von Typ-II-Diabetes gelten als gesichert. Über die therapeutischen Optionen zur Behandlung von Fettleibigkeit sprachen OA Dr. Christian Feinböck und Ass. Dr. Helmuth Brath, beide 3. Med. Abt. KH Lainz, im Rahmen der Harbacher Diabetesgespräche. Nur eine frühzeitige und konsequente Intervention verhindert spätere schwerwiegende Gesundheitsstörungen (kardiovaskuläre Erkrankungen, metabolisches Syndrom bis hin zum Typ-II-Diabetes, degenerative Gelenksveränderung, Tumorerkrankungen...).

Wird die Krankheit Adipositas diagnostiziert (BMI > 30), sollte frühzeitig eine Therapie eingeleitet werden. Durch die Chronizität der Erkrankung ist - wie bei Diabetes mellitus und Hypertonie - eine lebenslange Behandlung erforderlich. Die Fettsucht kann kontrolliert, aber nicht geheilt werden, so die Experten. Bei jedem Therapieregime muss mit einem lebenslangen Management gerechnet werden. Vor der Therapieeinleitung sollte eine ausführliche Anamnese durchgeführt werden. Die Entstehung der Adipositas stellt eine wichtige Frage dar. Gab es einen akuten Auslöser wie Schwangerschaft oder eine psychische Belastung oder war die Gewichtzunahme eine langjährige Entwicklung? Wie war das Körpergewicht als Kind und Jugendlicher? Besteht eine familiäre Disposition? 

Die Erörterung der Essgewohnheiten anhand eines Ernährungsprotokolls setzt die Anamnese fort. Neben einer Basisuntersuchung sollten Bauch- und Hüftumfang sowie eine Körperfettmessung durchgeführt werden. Eine Blutuntersuchung sollte neben üblichen Standardwerten auch Cortisol, ACTH, T3,T4 und TSH enthalten, empfehlen die Experten.Der erste Schritt jeder therapeutischen Intervention zur Gewichtsabnahme sollte die Anleitung zu vermehrter Bewegung darstellen. Nur durch eine Steigerung der körperlichen Aktivität kann der gefürchtete Muskelabbau jeder Gewichtsreduktion verhindert werden. 

Um das Ziel einer langfristigen Gewichtsreduktion von 10 Prozent umsetzen zu können, ist eine Umstellung der Ernährung nötig. Eine ausgewogene, gesunde, fettreduzierte und kohlehydratreiche Kostform sollte dem Patienten näher gebracht werden. Einseitige Diäten führen nach Beendigung zu einem Rückfall in alte Essgewohnheiten und damit zu neuerlicher Gewichtszunahme - dem typischen "Jo-Jo-Effekt". Unter engmaschiger Betreuung der Patienten in Einzel- oder besser Gruppentherapie ist auch ohne einschneidende "Diät" ein nachhaltiger Effekt auf das Körpergewicht erzielbar. 

Zusätzlich stehen einige medikamentöse Optionen zur Verfügung. Xenical® bewirkt eine Reduktion der intestinalen Fettaufnahme durch Hemmung der pankreatischen Lipase im Darm. Die Resorption von Fett wird um ca. 30 % reduziert. Aus der Wirkungsweise ergibt sich auch die Hauptnebenwirkung des Medikamentes: das Auftreten von Steatorrhoen nach fettreichen Mahlzeiten. Ein positiver Effekt dieser Nebenwirkung kann in der unmittelbaren Rückmeldung über den Fettgehalt der Nahrung gesehen werden. Xenical® bewirkt eine Verbesserung des Lipidprofiles und eine Verzögerung der Entwicklung eines manifesten Diabetes mellitus bei Patienten mit eingeschränkter Glucosetoleranz.
Ein weiteres Medikament ist Reductil®. Die Substanz hemmt den Re-Uptake von Serotonin und Noradrenalin im Zentralnervensystem. Damit werden einerseits das Sättigungsgefühl verstärkt und das Hungergefühl reduziert (serotenerge Achse). Andererseits wird der zwangsläufigen Reduktion des Grundumsatzes während einer Gewichtsreduktion (noradenerge Achse) entgegengewirkt. 

Reductil® bewirkt einen leichten Blutdruckanstieg und eine leichte Zunahme der Pulsfrequenz. Daher wird eine Überwachung von Blutdruck und Puls während der Behandlung gefordert. Bei morbider Adipositas (BMI > 40 kg/m2) besteht eine zusätzliche chirurgische Therapieoption. Das laparoskopische "Gastric-banding" gilt als wirkungsvolle Therapie zur Gewichtsreduktion. 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben