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Innere Medizin 30. Juni 2005

"Take every activity you possibly can!"

Auf der 30. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) wurden nicht nur die besten (medikamentösen) Diabetes-Therapien diskutiert, sondern auch mögliche Benefits durch Lifestylemodifikationen beim metabolischen Syndrom erörtert. "Bei der Diabetes-Behandlung beschränken sich viele Therapeuten auf die Symptomatikreduktion, während das Lifestylemanagement zu wenig angesprochen wird", so die Sozialmedizinerin Prof. Dr. Anita Rieder.

Bekannter Symptomenkomplex 

Die zum Typ-II-Diabetes führenden Veränderungen im Glukosewechsel sind zusammen mit abdomineller Adipositas, Hypertonie und abnormen Blutfettwerten Zeichen einer vielschichtigen metabolischen Störung. Das metabolische Syndrom erhöht massiv das kardiovaskuläre Risiko und hängt von genetischen und umweltabhängigen Faktoren ab. Rieder präsentierte Studien aus den USA, die zeigen, dass 70 Prozent der Bevölkerung zumindest einen der Risikofaktoren aufweisen. Diese Daten lassen sich nach dem Wiener Gesundheitsbericht 2001 auch auf die hiesige Bevölkerung umlegen.

Nikotin erhöht Blutzucker 

Die Risikofaktoren sind hinlänglich bekannt. In diesen Tagen wird besonders das geplante Werbeverbot für Tabakwaren diskutiert. Zahlreiche Studien konnten zeigen, dass das tägliche "Packerl" das Relative Diabetes Risiko bereits um 1,4 bis 3,3 Mal erhöht. Laut anderen Berichten erhöht sich der Blutzucker besonders nach einer Glukosebelastung mit kombiniertem Zigarettenkonsum deutlich, somit ist die Zigarette nach dem Essen besonders schädlich. Zusätzlich soll das Rauchen die Insulinsensivität beeinträchtigen. Die These, dass eine ungesunde Lebensweise und ein geringes Gesundheitsbewusstsein bei starken Rauchern eher vorkommen, lässt sich nur schwer beweisen. 

Natürlich spielt auch die Ernährung eine zentrale Rolle. Daher sind die Ergebnisse großer nordamerikanischer Kohortenstudien wenig überraschend, die einen signifikanten Risikoanstieg für einen Diabetes Typ II bei geringer Ballaststoffzufuhr und hoher glykämischer Belastung beweisen. Vor allem die abdominale Adipositas und den Bauchumfang sind potente Marker für ein erhöhtes Risiko. Konsequente körperliche Aktivität kann all diese Risikofaktoren deutlich herabsetzen. Und trotz der "No-na-net"-Rufe, die diese Feststellung verursacht, ist es interessant, sich die nüchternen Zahlen vor Augen zu führen. Pro Anstieg von 500 kcal des wöchentlichen Energieverbrauchs durch Bewegung sinkt das Risiko für Typ-II- Diabetes gleich um 6 Prozent, und dies scheint vor allem bei Hochrisikopatienten zu greifen. 

Lebensstiländerung wirkt

Rieder: "Welche Benefits durch eine Lebensstilveränderung möglich sind, zeigte uns auch die klinische, multizentrische Diabetes Prevention Program Research Group-Studie mit 3.234 Nichtdiabetikern mit hohem Diabetes mellitus-Risiko." Die Studienteilnehmer wurden in drei Gruppen geteilt, die jeweils Placebo (plus eine Standard-Lebensstilberatung), das Antidiabetikum Metformin (plus eine Standard-Lebensstilberatung) oder eine intensive Lebensstilberatung erhielten. 

Die Lebensstilberatungen wurden von Programmtrainern im Einzeltraining (Ernährung, Bewegung, Verhaltensänderung) durchgeführt mit den Zielen einer 7-prozentigen Gewichtsabnahme und 150 Minuten körperlicher Aktivität pro Woche. Die Studie zeigte den signifikanten Vorteil einer professionellen Lebensstilberatung, so ist die Inzidenz eines Typ-II-Diabetes in der Beratungsgruppe deutlich niedriger als in der Metforminfraktion. Die beste Wirksamkeit wird also nicht nur allein mit einem Antidiabetikum erreicht, sondern mit einer flankierenden Veränderung des Lebensstils. 

Auch eine finnische Untersuchung bestätigte eine direkt assoziierte Risikosenkung mit Hilfe einer Lebensstiländerung. Dabei wurde jede Form der Bewegung als erfolgreich gewertet. Selbst chirurgische Interventionen bei schwerst Übergewichtigen zur Gewichtsreduktion senken die DM-Inzidenz wesentlich. "Zusammenfassend haben all diese Studien eine simple Botschaft", so Rieder. "Take every activity you possibly can! Doch dabei spielt nicht nur die Gewichtsreduktion eine Rolle, sondern zusätzlich das Management des Bauchumfanges. Dieser sollte beim Mann nicht 90 cm und bei der Frau nicht 80 cm überschreiten." 

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