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Innere Medizin 30. Juni 2005

Direkte und indirekte vaskuläre Mechanismen

Die UKPDS zeigte, dass sich das Risiko vaskulärer Komplikationen bei Typ-2-Diabetikern unter der Therapie mit Metformin im Vergleich zur alleinigen Verabreichung von Sylfonylharnstoffen und Insulin um 40 Prozent reduzierte. Diese Ergebnisse konnten sowohl unter Mono- als auch unter Kombinationstherapie bestätigt werden. 

"Da die blutzuckersenkende Wirkung der verschiedenen Therapieregime vergleichbar war, wurde somit zusätzlich eine vaskuloprotektive Wirkung von Metformin bewiesen," so Dr. Nicolas F. Wiernsperger vom Diabetic Microangiopathy Research Unit/ Lipha in Cedex, Frankreich.

Der Spezialist gab einen Überblick über die pleiotropen vaskulären Effekte von Metformin, die, wie er betonte, alle unter klinisch relevanten Dosierungen erzielt wurden: "Hervorzuheben ist der direkte Einfluss von Metformin auf vaskuläre Mechanismen, der unabhängig von der antihyperglykämischen Aktivität auch bei nicht-diabetischer Stoffwechsellage nachgewiesen werden konnte. An Ratten, bei denen durch Multiembolisation eine Ischämie des Gehirns induziert wurde, führte die Gabe von 4x20 mg/kg Metformin einen Tag nach dem Infarkt zu einer drastischen Besserung, was durch Quantifizierung motorischer und kognitiver Leistungen dargestellt werden konnte. In einem Tiermodell mit peripherer Ischämie kam es unter Metformin nahezu zu einer Normalisierung der motorischen Aktivität sowie einer Abnahme der peripheren Ödeme. Bei kardialer Ischämie durch Ligatur der linken Koronararterie verbesserte Metformin sowohl die Arrhythmien als auch die hohen Mortalitätsrate."

Anti-atherosklerotische Wirkung von Metformin

Weiters konnte eine anti-atherosklerotische Wirkung für Metformin nachgewiesen werden. Neben der Senkung der Blutspiegel atherogener Lipide kam es zu einer Hemmung der Cholesterinaufnahme in die Gefäßmembran sowie der Proliferation glatter Gefäßmuskelzellen.

"Direkte Effekte von Metformin auf die Plättchenaggregation sind schon länger bekannt. Bei Ratten mit Carotisthrombose konnte für Metformin eine gleichgute oder sogar bessere Hemmung der Thrombenbildung im Vergleich zu Acetyl-Salicylsäure oder Ticlopidin nachgewiesen werden. Die Senkung des plasminogen activator inhibitor (PAI)- 1-level bewirkt eine Inaktivierung des "tissue plasminogen activator antigen (tPA) und erklärt die Hemmung der Fibrinolyse unter Metformin,"" so Wiernsperger.

Normalisierung der Kapillarperfusion

Von besonderer Bedeutung sind auch die Wirkungen von Metformin auf die Mikrozirkulation. Der Übergang der kleinen Arteriolen zu den Kapillaren ist einer feinen, von den großen Gefäße nahezu unabhängigen Regulation, der sogenannten Vasomotion, unterworfen.

"In Tierversuchen konnte mit Videomikroskopie die funktionelle Intensität blutgefüllter Kapillaren in situ gemessen werden. Bei Diabetes war diese von 52 Prozent auf 26 Prozent reduziert. Unter Metformin konnte mit fast 40 Prozent wieder eine Normalisierung der Kapillarenperfusion erreicht werden. Außerdem zeigte Metformin eine Verbesserung der postischämischen Lymphperfusion, gesteigerte Reperfusion venös-gestauter Gebiete, Rückbildung von Ödemen durch Hemmung der Gefäßpermeabilität sowie eine anti-angiogenetische Wirkung, wie für die Neubildung von Gefäßen in der Retina nachgewiesen werden konnte", so der Spezialist zusammenfassend.

Dr. Isabella Presch, Ärzte Woche 17/2001

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