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Innere Medizin 13. April 2006

Als erstes Übergewicht behandeln!

Adipositas ist ein allseits bekannter Risikofaktor für einen Typ 2-Diabetes. Und viele Diabetiker sind vor allem durch eine viszerale Adipositas gekennzeichnet, die assoziiert ist mit verminderter Insulinsensitivität und Verschlechterung der Glukosetoleranz. Einige Studien haben schon gezeigt, dass bereits ein bescheidener Gewichtsverlust den Glukosestoffwechsel von Typ 2-Diabetikern verbessern kann. Beim übergewichtigen Diabetiker ist eine Gewichtsreduktion das primäre Ziel - vor Verabreichung oraler Antidiabetika. Die immer gepriesene und geforderte "Life-style"-Modifikation (Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, körperliches Training etc.) ist allerdings leider häufig von geringem Erfolg getragen, obwohl selbstverständlich auch trotz pharmakologischer Therapie unverzichtbar. 

Gewichtsreduktion schwierig, aber machbar

Dies ist der Moment, dem Patienten eine zusätzliche pharmakologische Unterstützung anzubieten. Prof. Dr. P. Lefebvre von der Abteilung für Diabetes, Ernährung und Stoffwechselerkrankungen der Universität Liege, Belgien, hielt im Rahmen der 29. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft einen Vortrag über die pharmakologische Therapie des adipösen Diabetikers.

Lefebvre: "Obwohl das Managament eines übergewichtigen Diabetikers eine echte Herausforderung für jeden Arzt ist, muss eine Gewichtsreduktion auf jeden Fall angestrebt werden!" Die früher gebräuchlichen Substanzen wie Fenfluramin und Dexfenfluramin führten zwar zu einem Gewichtsverlust und verbesserten auch die Insulinsensitivität, wurden aber bekanntlich wegen Nebenwirkungen (pulmonale Hypertension) wieder vom Markt genommen. 

Derzeit finden folgende Substanzen ihren Einsatz: Sibutramin (Reductil®) ist ein selektiver Norepinephrin- und Serotonin-Reuptake-Inhibitor, der zentral zu einem rascheren Sättigungsgefühl führt. Auch die Thermogenese wird durch Sibutramin stimuliert. Eine Langzeitstudie (STORM - Storm-Sibutramine Trial of Obesity Reduction and Maintenance) hat gezeigt, dass mit Sibutramin nicht nur ein bedeutender Gewichtsverlust zu erzielen ist, sondern das erreichte Gewicht auch langfristig gehalten werden kann. Bei Orlistat (Xenical®) hingegen handelt es sich um einen peripheren, im Darm angreifenden gastrointestinalen Lipaseinhibitor, der die Resorption von Fett um bis zu 33 Prozent reduziert und die Gewichtsreduktion wirksam fördert.

Weitere Studien werden notwendig sein, um möglichst früh "Responder" (d.h. Gewichtsverlust von >5 des Initialgewichtes) beziehungsweise "Non-Responder" einer pharmakologischen Intervention zu identifizieren und den Stellenwert einzelner Substanzen in der medikamentösen Langzeittherapie des Übergewichtes beim Typ 2-Diabetiker festzustellen.

In Erprobung sind zum Beispiel Beta-3-Agonisten, die den Energiehaushalt ankurbeln sollen, sowie Substanzen, die mit dem Tumor-Nekore-Faktor-alpha (TNF-alpha) interferieren. Auch freie Fettsäuren, die aus dem Fettgewebe abgegeben werden, oder Substanzen, die die Magenentleerung verzögern, stehen zur Diskussion. Bis dato waren die Ergebnisse aber hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit eher enttäuschend oder zumindest beim Menschen eher begrenzt.

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