zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 30. Juni 2005

Primärprävention beginnt bereits in der Kindheit

Nicht nur bei Typ-2-Diabetes besteht eine reale Chance, den Ausbruch der Erkrankung durch eine gesündere Lebensweise zu verhindern, behauptete Doz. Dr. Peter Fasching, 3. Interne Abteilung, Pflegeheim Baumgarten. Werden Säuglinge mindestens vier Monate gestillt, so sinkt die Gefahr für einen Typ-I-Diabetes auf ein Fünftel. Auch die Entstehung von Typ-2-Diabetes kann bereits in der Kindheit beeinflusst werden. Das Risiko für eine spätere Adipositas steigt mit jedem gezuckerten Getränk in der Kindheit, erklärte Fasching. Und weiter: "Auch andere Lebensumstände stellen eine Gefahr für das Kind dar. So korreliert die Zeit vor dem Fernseher stark mit dem Auftreten einer späteren Adipositas."

Soll das Auftreten von Typ-2-Diabetes verhindert werden, so ist die frühzeitige Bekämpfung von Übergewicht und Bewegungsarmut ein wesentlicher Bestandteil der Primärprävention, meinte der Experte.

Wichtige Erkenntnisse, so Fasching, sind auch von der Aktion des Diabetesbus gekommen. Dabei gab es Kontakte zu rund 19 .000 Personen. Davon waren 2.800 schon bekannte Typ-2-Diabetiker. Erschreckend war bei dieser Gruppe die Auswertung der Daten. Über 60 Prozent zeigten einen erhöhten Blutdruck, 50 Prozent ein Cholesterin über 200 und 40 Prozent einen BMI über 28. Zusätzlich wurden bei dieser Aktion in 6,4 Prozent der Zuckermessungen Werte zwischen 140 und 180mg/Prozent, und in rund 2 Prozent über 180mg/Prozent gemessen. Diesen Personen wurde dringend eine weitere Abklärung empfohlen. 

Medikamentöse Primärprävention

Eine Möglichkeit, die Manifestation eines Typ-2-Diabetes zu verhindern, präsentierte Prof. Dr. Karasik, Institute of Endocrinology, Chain Shiba Medical Center. Der Experte betonte die Wichtigkeit einer frühzeitigen medikamentösen Therapie. Das lange Zeitfenster von rund zehn Jahren zwischen Insulinresistenz und Ausbildung eines Diabetes müsse genutzt werden. Karasik präsentierte mit "Stop NIDDM" ein erfolgreiches Beispiel einer Primärpräventionsstudie. Die Blutzuckerwerte von rund 10.000 Personen wurden untersucht; ungefähr 1.400 zeigten eine gestörte Glucosetoleranz und waren damit für diese Studie geeignet. Das Alter der Probanden lag zwischen 40 und 70 Jahren und der BMI bewegte sich zwischen 25 und 40kg/m2. 

Richtungsweisend für Therapiestrategien

Die Therapie erfolgte entweder mit dreimal täglich 100mg Arcabose oder Placebo. Bei Acarbose wurde die maximal verträgliche Dosis akzeptiert, auch wenn die Tagesdosis unter 300mg lag. Trotzdem musste in dieser Gruppe eine Drop-out-Rate von zehn Prozent - wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen - beobachtet werden. Die Ausfälle waren nur im ersten Jahr zu verzeichnen. Die verbleibenden Probanden zeigten später kaum Unverträglichkeiten mehr.
Die Ergebnisse der Studie können als richtungsweisend für die zukünftigen Therapiestrategien gesehen werden. Die Entstehung eines manifesten Typ-2-Diabetes konnte durch den Einsatz von Acrabose um rund ein Viertel gesenkt werden. 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben