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Innere Medizin 30. Juni 2005

Die Angst der Patienten vor dem "Hypo"

Schwere Hypoglykämien sind vor allem von älteren Sulfonylharnstoffen bekannt. Wer bei einem Typ-2-Diabetiker die Therapie umstellt, muss nicht nur den richtigen Zeitpunkt für das richtige Medikament finden, sondern auch negative Erfahrungen des Patienten bedenken: die Angst vor einer Hypoglykämie und die tatsächlich erlebten Hypoglykämien. 

Tatsächlich beträgt die Mortalität schwerer Sulfonylharnstoffhypoglykämien immer noch zwischen 4 und 10 Prozent. Glimepirid (Amaryl®)ein Sulfonylharnstoff der dritten Generation, ruft im Vergleich zu älteren Sulfonylharnstoffen seltener Hypoglykämien hervor. Dies belegen unter anderem eine prospektive Studie aus Deutschland (Holstein et al, Diabetologica 2000), in der die Inzidenz von Hypoglykämien bei mehr als 36.000 Notfallpatienten bestimmt worden war. Es wurden bei 264 Patienten schwere Hypoglykämien festgestellt, die Glucoseinfusionen nötig machten. 45 der Patienten waren mit oralen Antidiabetika behandelt worden. Obwohl Glimepirid häufiger als Glibenclamid verordnet worden war, gab es nur sechs Glimepirid-assoziierte schwere Hypoglykämien (versus 39 unter Glibenclamid)

Ein weiterer Vorteil des neueren Sulfonylharnstoffes: Das einfache Einnahmeschema von Glimepirid steigert die Compliance der Patienten: Nur einmal täglich muss der Patient an die Einnahme denken. Die Wirkkurven von täglicher Einmal- und täglicher Zweimalgabe sind praktisch gleich. Die maximale Wirkung wird mit einer Dosis von 4 mg des Wirkstoffes erzielt.

Das Medikament ist außerdem gut in Kombination mit anderen antihyperglykämischen Medikamenten - einschließlich Insulin - einsetzbar. Weiters zeichnet sich Glimepirid durch seinen dualen Wirkmechanismus aus: die Substanz beeinflusst sowohl Insulinsekretion als auch Insulinresistenz und vereint dadurch die Eigenschaften der konventionellen Sulfonylharnstoffe, der Sekretagoga, von Metformin und den Insulinsensitizern. 

Ein unerwartetes Ergebnis hat eine Anwendungsbeobachtung mit 22.000 Typ-2-Diabetikern in Deutschland erbracht: Die mit dem Sulfonylharnstoff behandelten Diabetiker verbesserten nicht nur ihren HbA1c-Wert um im Mittel 1,4 Prozentpunkte, sie nahmen auch um im Mittel 1,4 Kilogramm ab. 

30 Prozent der Patienten waren mit Glimepirid erstmals auf ein orales Antidiabetikum eingestellt worden. Zuvor waren sie im Mittel knapp zwei Jahre lang nur mit Diät behandelt worden. Die übrigen 70 Prozent der Patienten wurden - meistens von einem anderen oralen Antidiabetikum, das sie zuvor im Schnitt sieben Jahre eingenommen hatten - umgestellt. 

Wie sich der günstige Effekt von Glimepirid erklären lässt, ist unklar. 

Möglich ist der positive Einfluss der intensiveren ärztlichen Betreuung, die Patienten bei einer Therapieumstellung oder Neueinstellung der Behandlung erfahren. Aber natürlich ist auch eine Substanz-spezifische Wirkung nicht auszuschließen. 

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