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Innere Medizin 30. Juni 2005

Heart Protection Study: Statine senken Risiko für KHK

Beim Kongress der American Heart Association in Kalifornien ist die bisher größte Studie zum Effekt einer Cholesterinsenkung vorgestellt worden, die Heart Protection Study (HPS). 

Hauptergebnis: Die cholesterinsenkende Therapie vermindert das Risiko für eine koronare Herzkrankheit auch bei den Patienten, die nach bisher gültigen Richtlinien bereits optimale Cholesterinwerte haben. 

Eine Therapie mit Simvastatin senkt bei vielen Risikopatienten das KHK-Risiko - und zwar egal, wie hoch oder niedrig deren Cholesterinwert vor Therapiebeginn auch gewesen sein mag.

Damit ist der Kreis der Patienten, die von einer Cholesterin-senkenden Statintherapie profitieren, wesentlich erweitert worden. Für die Therapie mit Simvastatin kann der Nutzen jetzt auch bei Diabetikern sowie Frauen und älteren Patienten mit hohem KHK-Risiko als gesichert gelten. 

Für die Entscheidung zugunsten dieser Therapie ist somit nur das Risikoprofil der Patienten, nicht aber der Cholesterinwert DAS Kriterium - was sich auf die Verschreibungspraxis auswirken wird.

HPS ist das bisher größte klinische Forschungsprojekt zur medikamentösen Cholesterinsenkung. In die Studie wurden in Großbritannien insgesamt 20.536 Patienten aufgenommen. 

Sie alle erfüllten das Kriterium, dass bei ihnen aufgrund einer vorliegenden Erkrankung von einem hohen Risiko für klinische Koro-narereignisse auszugehen war: Herzinfarkt oder zumindest eine dokumentierte Koronarintervention in der Anamnese, 3.288 Patienten wurden aufgrund eines zerebrovaskulären Ereignisses und 5.963 aufgrund eines Diabetes mellitus in die Studie aufgenommen, 6.748 hatten eine arterielle Verschlusskrankheit. 

Die Zahl der PatientInnen war mit 5.082 weitaus höher als in jeder anderen Lipidstudie. 

Gemeinsam war allen Patienten, dass weder eine klare Indikation noch eine Kontraindikation für eine Statintherapie bestand. 

Sie alle wurden im Rahmen der Studie etwa fünf Jahre lang mit Simvastatin (40 mg/Tag, Zocord®) oder Placebo behandelt. Ihr durchschnittlicher LDL-Cholesterinwert zu Studienbeginn lag bei 130 mg/dl. Simvastatin senkte das LDL-Cholesterin im Schnitt um etwa 40 mg/dl. Mit diesem Lipideffekt war eine hochsignifikante Reduktion der vaskulär bedingten Mortalität um 17 Prozent assoziiert. 

Unter der Simvastatin-Therapie wurde auch die Schlaganfallinzidenz signifikant verringert, und zwar von 6 Prozent (Placebo) auf 4,4 Prozent. Das Risiko, im Studienverlauf von einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer revaskularisierenden Intervention betroffen zu sein, wurde signifikant um 24 Prozent reduziert.

Selbst Patienten die mit einem LDL-Cholesterin unter 100 mg/dl vor Therapiebeginn bereits in einem empfohlenen Zielbereich lagen, profitierten noch von der Reduktion der kardiovaskulären Ereignisse durch Simvastatin. 

Kommentar von Prim. Prof. Dr. Bernd Eber, Kardiologie, AKH Wels: "Nun ist die Wirksamkeit von 40 mg Simvastatin auch bei Frauen, beim ischämischen Schlaganfall und bei der wichtigen Hochrisikogruppe der Diabetiker nachgewiesen." 

Vitamine senkten KHK-Risiken nicht

Ziel der HPS-Studie war unter anderem auch, die mögliche Wirkung einer Prophylaxe mit antioxidativen Vitaminen zu prüfen. 

Die Hälfte der Probanden erhielt eine Antioxidanzien-Mischung, bestehend aus den Vitaminen C und E und Beta-Karotin, die andere Hälfte Placebo. 

Das Ergebnis nach fünf Jahren: Weder auf kardiovaskuläre Ereignisse noch auf die Karzinom-Inzidenz war statistisch ein positiver Effekt der Vitamin-Prophylaxe erkennbar. 

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