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Innere Medizin 30. Juni 2005

Glinide und Glitazone - Das Für und Wider

Im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft in Baden diskutierten Experten zum Thema "Alte versus neue orale Antidiabetika". Die Vor- und Nachteile von alten und neuen Antiinsulinresistenz-Medikamenten und Insulinsekretagoga wurden gegenübergestellt. 

Pro Glitazone

Prof. Dr. Bernhard Ludvik, Innere Medizin III, AKH Wien, durfte in seinem Vortrag über die positiven Aspekte der Glitazone referieren. 

Gemeinsam mit den Biguaniden gehören sie zur Gruppe der Antiinsulinresistenz-Medikamente. Beide Substanzen wirken über Verminderung der Insulinresistenz; haben aber keinen direkten Einfluss auf die Betazelle. Eine Kombination beider Substanzen oder mit anderen Antidiabetikern ist möglich. 

"Für eine Verwendung von Glitazonen sprechen der physiologische Therapieansatz, eine Betazellprotektion und eventuell ein antiatherogener Effekt", so Ludvik. Experimentell konnte eine deutliche Verbesserung des Brachialarterienflusses und eine Abnahme der Intima-Media-Dicke beobachtet werden. 

Welche Auswirkung diese Tatsache auf die Entstehung von kardiovaskulären Problemen hat, kann derzeit nicht abgeschätzt werden. 

Weitere positive Effekte sind eine mäßige Senkung des Blutdruckes und eine 20-30 -prozentige Reduktion der Triglyceride. 

Wie steht es aber um die Sicherheit dieser neuen Medikamente? Bei den Glitazonen wird eine Ödembildung und eine Gewichtszunahme postuliert. 

Ludvik betonte in seinen Ausführungen, dass die Gefahr von Ödemen lediglich bei Herzinsuffizienz bestehe, die Gewichtszunahme nur durch eine Vermehrung des subkutanen Fettgewebes verursacht werde und daher keine negativen Effekte zu erwarten seien. 

Kontra Glitazone

Frau OA. Dr. Gertrud Kacerovsky-Bielesz, 1.Med. Abteilung, Hanuschkrankenhaus Wien, hatte die Aufgabe, die Verwendung von Glitazonen kritisch zu betrachten. Die bereits seit Jahrzehnten eingesetzten Biguanide sind in ihrem Nebenwirkungsspektrum bereits klar. Bei deren Verwendung wären keine unliebsamen Überraschungen zu erwarten, betonte sie. Bei einer neuen Substanzgruppe bleibe noch immer eine gewisse Unsicherheit. Auch gibt es nur wenig Erfahrungen über die Anwendung von Glitazonen in Schwangerschaft und Stillzeit. 

Der schwerwiegendste Nachteil besteht zur Zeit sicherlich bei den Kosten, meinte Kacerovsky-Bielesz. So berechnete die Expertin für Meformin Tageskosten von ATS 3,58; während bei der Verwendung von Glitazonen mit ATS 25-56 gerechnet werden muss. In ihrer Wirkung sind beide Substanzen vergleichbar und führen neben einer Senkung des HbA1c auch zu einer Reduktion der freien Fettsäuren.

Pro Glinide

"Bei Typ-II-Diabetes besteht ein Verlust von Insulinspitzen postprandial", erklärte Doz. Dr. Raimund Weitgasser, Innere Medizin I, LKH Salzburg. Ein direkter Zusammenhang mit dem Auftreten von Myokardinfarkten wird postuliert. Daher sollten die Zuckerspitzen nach Nahrungsaufnahme entsprechend in der Therapie berücksichtigt werden. 

Mit der neuen Medikamentengruppe der Glinide könnte eine Senkung der postprandialen Blutzuckerspitzen besser erreicht werden. Bei gleicher HbA1c Senkung weisen diese Substanzen weniger Hypoglykämien auf und bewirken keine Gewichtszunahme. "In Kombination mit Metformin", so Weitgasser, "könnte die Idee einer oralen Basis-Bolus-Therapie umgesetzt werden."

Kontra Glinide

Prof. Dr. Thomas Wascher, Medizinische Abteilung, Universitätsklinik Graz, darf die Situation dieser neuen Medikamente anders sehen. Er sieht keinen wirklichen Vorteil im Vergleich zu Sulfonylharnstoffen. 

Die Wirkung wäre ähnlich, soWascher, und eine dreimal tägliche Medikamenteneinnahme bringe keinen wirklichen Vorteil: "Die Compliance ist bei ein- oder zweimal täglicher Einnahme sicher besser."

Fällt die Entscheidung auf den Einsatz von Sulfonylharnstoffen, so sollten modernere Präparate mit kürzerer Halbwertszeit bevorzugt werden. 

Wascher: "So können die früher bei älteren Substanzen auftretenden häufigen Hypoglykämien verhindert werden."

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