zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 30. Juni 2005

Stoppt den Diabetes!

Im Rahmen der 29. Jahrestagung der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft von 28.11. bis 1.12.2001 in Baden bei Wien wurde dem Screening ein wichtiger Platz eingeräumt. Nur in einem frühen Stadium der Erkrankung besteht eine realistische Chance, Spätschäden zu verhindern.

Weltweit 200 Millionen Erkrankte im Jahr 2010

Die Prognosen über die weltweite Ausbreitung von - vor allem Typ-2 - Diabetes sind erschreckend. Experten rechnen mit ungefähr 200 Millionen Erkrankter im Jahre 2010. Nur durch eine frühzeitige Intervention kann dieser Entwicklung Einhalt geboten werden, sind sich alle Experten einig. Die Entwicklung eines manifesten Typ-2-Diabetes dauert ungefähr zehn Jahre, erklärte Prof. Dr. Michael Walter Roden, Innere Medizin III, Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien. In dieser langen Zeit durchlaufen die Patienten die Stadien der Insulinresistenz und der gestörten Glucosetoleranz oft völlig unbemerkt. 

Die Entwicklung der gefürchteten Spätschäden beginnt bereits in diesen Stadien. Bei Diagnosestellung bestehen in den meisten Fällen schon irreparable Schäden an Gefäß- und Nervensystem. Eine Möglichkeit, einer drohenden Erkrankung zu entgehen, besteht in der oft erwähnten Life-Stile-Änderung. Ungefähr 90 Prozent aller Neuerkrankungen könnten durch rechtzeitige Verhaltensänderung verhindert werden, rechnet Roden.  Kann dieses Ziel nicht erreicht werden, so ist eine frühzeitige - im Stadium der gestörten Glucosetoleranz (Zweistundenwert nach oralem Glucosetoleranztest zwischen140 und 200 mg%) - begonnene medikamentöse Therapie mit Metformin oder Acarbose zu überlegen. 

Wer soll gescreent werden?

Im Stadium der gestörten Glucosetoleranz besteht bereits eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit einer Manifestation in den nächsten fünf Jahren, erläuterte Roden. Ein rechtzeitiges Screening sollte bei gefährdeten Personen beginnen: Nachkommen von Typ-2-Diabetikern, Personen mit stark viszeraler Fettverteilung und einem BMI über 25 sind höchst gefährdet. 

Ist ein Elternteil erkrankt, so beträgt die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken, für die Nachkommen rund 40 Prozent; sind beide Elternteile betroffen, bereits 80 Prozent. Bei zusätzlichem Übergewicht über 15 Prozent ist der Prozentsatz noch höher. Besondere Vorsicht gilt auch bei Personen ab dem 45. Lebensjahr, bei einmalig pathologischem Nüchternblutzucker, erhöhten Triglyzeridwerten, nach Gestationsdiabetes oder bei Müttern von Kindern über vier Kilogramm Geburtsgewicht.

Wie sollte gescreent werden?

Der noch immer häufig eingesetzte Nüchternblutzucker allein ist sicher zu wenig, erklärte Prof. Dr. Monika Lechleitner, Innere Medizin, Universitätsklinik Innsbruck; besser ist ein "Random-Blutzucker". Darunter ist eine Messung irgendwann im Tagesverlauf ohne Rücksicht auf die letzte Nahrungsaufnahme zu verstehen. Ist dieser Wert unter 100mg%, so kann ein Diabetes mit hoher Sicherheit zur Zeit ausgeschlossen werden. Bei Werten zwischen 100 und 180 mg% sollte unbedingt ein oraler Glucosetoleranztest durchgeführt werden; über 180mg% ist ein bestehender Diabetes sehr wahrscheinlich, meinte Lechleitner. Messungen sollten ab dem 45. Lebensjahr in dreijährigen Abständen und bei Risikokonstellation jährlich durchgeführt werden. Die Vorsorgeuntersuchung wäre ein gutes Instrument, dieser Empfehlung gerecht zu werden. Lechleitner: "Es besteht die Hoffnung, dass diese vorhandene Ressource besser genützt wird." 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben