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Innere Medizin 30. Juni 2005

Die unguten Geschwister: Depression und Diabetes

Die individuelle Belastung der Patienten wird durch psychische Leiden verstärkt und die beeinträchtigen das subjektive Wohlbefinden

Depressionen kommen bei Patienten mit chronischen Erkrankungen sehr häufig vor; etwa 10 bis 15 Prozent der Diabetiker haben eine "major" Depression. Dies erhöht vor allem die individuelle Belastung des Patienten und beeinträchtigt das subjektive Wohlbefinden. 

Negative Beeinflussung auf allen Ebenen

Auch das Management der Erkrankung durch den Patienten selbst wird beeinflusst: Patienten, die zusätzlich zu ihrer chronischen Erkrankung auch noch unter Depressionen leiden, erfahren eine immense individuelle Belastung durch ihre Krankheit bis hin zu sozialen und beruflichen Verschlechterungen. 

Im Rahmen einer amerikanischen Studie des Department of Psychiatry and Behavioral Sciences der University of Washington, Seattle, wurden die Auswirkungen depressiver Symptome bei 367 Diabetikern vom Typ 1 und 2 auf "self-care", Einhalten des verordneten Medikamentenregimes, physisch-mentale Beeinträchtigung der Patienten sowie ökonomische Belastung des Gesundheitssystems untersucht. 

Verglichen mit Patienten, die nur leichte Depressionen hatten, hielten sich die Patienten mit mittelgradigen und schweren Depressionen signifikant weniger an Ernährungsvorschriften.

Patienten mit schweren Depressionen nahmen ihre oralen Antidiabetika häufiger als Diabetiker mit nur leichten Depressionen nicht ein (15 Prozent vs. 7 Prozent). Die Schwere der depressiven Symptomatik war mit einem - allerdings nicht signifikanten - Anstieg der HbA1C-Werte assoziiert. 

Je schwerer die depressive Symptomatik, desto schlechter waren die physischen und mentalen Funktionen der Patienten; es wurden signifikante Unterschiede zwischen der Gruppe mit den leichten und der Gruppe mit den schweren Depressionen gefunden.

Alter und Wissensstand wichtig 

Die Patienten mit schweren Depressionen verursachten deutlich höhere Kosten sowohl im allgemeinmedizinischen Bereich als auch in der notfallmedizinischen Versorgung sowie auch im stationären Bereich. Eine signifikante Assoziation bestand zwischen Schwere der depressiven Symptomatik und Alter: die Prävalenz von Depressionen war bei jüngeren Patienten höher.
Auch zwischen Schweregrad der Depression und Wissensstand des Patienten bestand ein signifikanter Zusammenhang, und zwar in der Art und Weise, dass Patienten mit schwerem Diabetes mehr über ihre Erkrankung wussten und vermutlich deswegen auch eher zu Depressionen neigen. 

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