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Innere Medizin 30. Juni 2005

Die vielen Nervenleiden der Diabetiker

Im Rahmen der diabetischen Grunderkrankung können alle Nervensysteme von neuropathischen Erscheinungen befallen werden. Häufig sind sensible Reizerscheinungen mit Reflexabschwächung und Verlust der Tiefensensibilität oder vollständigen Sensibilitätsausfällen, Parästhesien oder Schmerzen.

Prof. Dr. Monika Lechleitner, Innsbruck, Universitätsklinik für Innere Medizin, betonte bei den Ärztetagen in Velden, dass die Symptome der diabetischen Polyneuropathie von distal nach proximal fortschreiten.
Die diabetische Mononeuropathie führt zu Ausfällen im Bereich einzelner Hirnnerven (Augenmuskel-, Facialisparese), an denen Mikroinfarzierungen ursächlich beteiligt sind. Bei der autonomen Polyneuropathie (PNP) sind zuerst die langen Nervenfasern vom Parasympathikus betroffen, erst später wird auch der Sympathikus beeinträchtigt.
Bedingt durch eine gestörte Pupillenmotorik kommt es zur Nachtblindheit, weiters kann es auch zu Ptosis, Augenmuskelparesen sowie Strabismus kommen. Aber auch Ösophagusdysfunktion, gustatorisches Schwitzen, Analsphinkterdystrophie, Herzrhythmusstörungen mit einer Ruhetachykardie können ebenso auftreten wie eine orthostatische oder posturale Hypotonie.

Diagnostische Hinweise und Methoden

Die praktische klinische Bedeutung liegt vor allem in der gestörten Wahrnehmung von einer Hypoglykämie, dem diabetischen Fuß, und einem uncharakteristischen Ablauf myokardialer Ischämien. Die Schmerzen werden häufig als brennend beschrieben ("burning feet"). Die Blutzuckereinstellung wird immer problematischer, dazu kommen die Symptome der Gastroparese und rezidivierende Infekte bei Blasenentleerungsstörung. Die Inkontinenz und Impotenz stellen eine schwerwiegende psychische Belastung dar.
Zur Diagnostik gehören außer Anamnese, Prüfung von Sensibilität und Sehnenreflexen auch quantifizierende neurophysiologische Untersuchungen wie Nervenleitgeschwindigkeit, Nervenreaktionspotenzial und autonome Funktionstests.

Therapeutische Hinweise

Die medikamentöse Therapie beruht natürlich in erster Linie auf einer exakten Blutzuckereinstellung. Als Unterstützung bei der diabetischen Polyneuropathie wird aber auch Alpha-Liponsäure zur Reduktion der oxidativen Stressreaktion verabreicht. Gamma-Linolensäure dient zur Korrektur der essentiellen Fettsäuren.

  • Als geeignete Analgetika werden Tramadolhydrochlorid, Amitriptylin (sedierendes Antidepressivum) verwendet. Gabapentin und Carbamazapin werden auch bei neuropathischen Schmerzen empfohlen.

  • Nächtlich auftretende Wadenkrämpfe werden mit Chininsulfat und Benzodiazepinen behandelt.

  • Gegen kardiovaskuläre Symptome werden Betablocker, Diuretika und Dihydroergotamine eingesetzt.

  • Bei der Klinik einer Gastroparese hilft Metoclopramid durch Förderung der Magen-Darm-Motilität. Lactulose und Metoclopramid helfen gegen Obstipation. Neurogene Blasenstörungen mit Harnretention werden mit Phenoxybenzamin behandelt.

  • Bei Impotenz helfen auch Wirkstoffe wie Sildenafil.

Qelle: Ärztetage in Velden 2003

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