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Innere Medizin 30. Juni 2005

Ein Herz für Diabetiker

Diabetes mellitus ist eine der häufigsten und kostenintensivsten Erkrankungen. Weltweit sind 200 Millionen Menschen betroffen, davon 400.000 in Österreich. "Zu spät diagnostiziert und unzureichend behandelt, führt Diabetes zu schwersten Folgeerscheinungen, wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Erblindung, Fußamputation oder Nierenversagen.

Umfassende Aufklärung und Schulung

Bei Diagnosestellung lassen sich in bereits etwa 20 Prozent aller Patienten schwerwiegende Komplikationen nachweisen. Ein Screening und eine Frühdiagnostik sind daher von großer Bedeutung", so Prim. Prof. Dr. Guntram Schernthaner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Diabetologie.

Der Spezialist empfiehlt als Basistherapie eine umfassende Aufklärung und Schulung über erforderliche Maßnahmen des Patienten, um seine Prognose zu verbessern. Diät, Gewichtsreduktion, Stoffwechselselbstkontrolle und vermehrte körperliche Aktivität sind dabei wichtige Ziele. "Eine erfolgreiche Therapie des Diabetes erfordert die optimale Behandlung aller wichtigen Risikofaktoren. Neben der antidiabetischen Therapie, wo uns heute fünf Medikamentenklassen zur Verfügung stehen, nimmt die antihypertensive Therapie, die Lipidsenkung sowie die antithrombotische Therapie bei Risikopersonen einen hohen Stellenwert ein.

30 Prozent weniger neue Diabetesfälle

Weiters ist es für Diabetiker besonders wichtig, nicht zu rauchen. Um die Prognose der Diabetes-Patienten zu verbessern, sind ein HbA1c von kleiner sieben Prozent, ein Blutdruck von 135/80 mmHg und eine Senkung des LDL-Cholesterins auf 100 mg/dl nötig.

Bemerkenswert sind neueste Ergebnisse der WOSCOPS-Studie, die besagen, dass die lipidsenkende Therapie mit Pravastatin bei 5.974 nichtdiabetischen Patienten zu einer 30-prozentigen Senkung des Auftretens von neuen Diabetesfällen führte.

"Der präventive Effekt könnte durch die Senkung der Plasmatriglyceride oder durch die antiinflammatorische Eigenschaft der Substanz kombiniert mit positiven Effekten auf die endotheliale Dysfunktion erklärt werden", so Schernthaner. Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems nehmen ebenso wie der Diabetes mellitus mit dem Alter zu.

Primärpräventive Maßnahmen anstreben

"Diabetes führt zur koronaren Herzkrankheit, und diese ist, je länger sie andauert, praktisch immer mit einem Diabetes und dessen Folgen verknüpft. Wir wissen, dass Diabetiker eine zwei- bis fünffach höhere kardiovaskuläre Mortalität aufweisen. Bei Frauen mit Diabetes steigt dieses Risiko auf das Achtfache. Weiters ist das Risiko, an einem Herzinfarkt zu versterben, beim Diabetiker vielfach höher als beim Nicht-Diabetiker", so Prim. Prof. Dr. Heinz Weber, Vorstand der Medizinischen Abteilung mit Kardiologie des Kaiser-Franz-Josef-Spital in Wien.

Sekundärpräventive Maßnahmen führen zwar zu einer deutlichen Senkung der kardiovaskulären Mortalität diabetischer Patienten, trotzdem verstarben 50 Prozent aller Diabetiker im Jahr nach ihrem ersten Herzinfarkt. Primärpräventive Maßnahmen sind daher anzustreben. Dazu gehört nicht rauchen, gesunde Ernährung, reichlich Bewegung und Sport sowie Gewichtskontrolle und wenig Alkohol.

Weber: "Weiters reiht sich nunmehr die Verabreichung des Statins Pravachol® in die Reihe der bisher bekannten primär einem kardiovaskulären Ereignis vorbeugenden Maßnahmen ein. Es werden nicht nur die Fette selbst signifikant reduziert, sondern auch die Entstehung eines Diabetes mellitus deutlich hintangehalten."

Neben medikamentöser Therapie und ärztlicher Betreuung helfen den Betroffenen auch Selbsthilfegruppen. "In der Selbsthilfegruppe findet der Diabetiker Anschluss und kann seine Probleme mit anderen besprechen. Durch regelmäßige Informationsveranstaltungen sollen sich aus passiven Zuckerkranken aktive Diabetiker entwickeln. Die ständige Verbindung mit Fachärzten ermöglicht bei Problemen eine rasche Hilfe durch Zuweisung an kompetente Fachleute. Die Selbsthilfegruppe erfüllt aber auch eine soziale Funktion. Die Patienten treiben gemeinsam Sport und unternehmen Ausflüge, wobei einerseits Erfahrungen ausgetauscht werden und andererseits eine gesündere Lebensweise herbeigeführt wird", so Peter Hopfinger, Pressesprecher des Diabetes Forum Austria.

Dr. Isabella Presch, Ärzte Woche 32/2001

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