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Innere Medizin 14. Juli 2005

Leitlinien zur optimalen Diabetes-Behandlung

In Österreich leben derzeit etwa 300.000 diagnostizierte DiabetikerInnen. Eine Therapieoptimierung zu einem möglichst frühen Zeitpunkt kann sowohl Medikamente als auch Kosten sparen und zusätzlich schwere Folgeerkrankungen verhindern. Die Initiative Arznei & Vernunft stellte vor kurzem in Wien die Leitlinie Diabetes mellitus Typ 2 vor.

„Diabetes mellitus Typ 2 ist noch immer viel zu häufig eine Nebendiagnose, beispielsweise wenn der Patient wegen Problemen oder Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems zum Arzt geht“, beklagte der Präsident der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, Prim. Prof. Dr. Michael Roden vom Wiener Hanusch-Krankenhaus in seinem Eingangsstatement. Die Basis der von einem international angesehenen ExpertInnen-Team erarbeiteten Therapierichtlinien bilden daher auch die Früherkennung beziehungsweise Prävention der Erkrankung und die möglichst frühzeitige Diabetes-Diagnose.
Bei der Definition und den diagnostischen Kriterien bilden die 1998 von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebenen Kriterien die Basis für die Therapieleitlinien (siehe Kasten 1). Bei Risikopersonen sollte eine jährliche Untersuchung bereits das Auftreten von Diabetes mellitus Typ 2 (DM II) verhindern (siehe Kasten 2). Dies ist, glaubt man Dr. Josef Probst vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger, auch der Grund, dass dem Problem Diabetes in der neuen Vorsorgeuntersuchung große Bedeutung beigemessen wird. „Die Folgen einer nicht adäquat behandelten Zuckerkrankheit sind aufgrund der ubiquitären Gefäßalterationen im schlimmsten Fall Nierenversagen, Erblindung, Amputationen der Extremitäten, Schlaganfall und Herzinfarkt, was, ganz abgesehen vom dahinter stehenden menschlichen Leid, auch hohe Kosten im Gesundheitssystem verursacht“, stellte Probst fest.

Am Anfang sollten immer Diät und Bewegung stehen

Für die Prävention, aber auch die Behandlung von Diabetes mellitus Typ 2 einigte sich das Arznei & Vernunft-Team schwerpunktmäßig auf nichtmedikamentöse Maßnahmen als Firstline-Therapie. Dazu gehört die Ernährungsumstellung ebenso wie regelmäßige Bewegung und Nikotinkarenz. Ein PatientInnen-Folder, der gleichzeitig mit den Therapieleitlinien erschienen ist, informiert über Möglichkeiten zur Ernährungsumstellung und zur täglichen moderaten Bewegung. Der Folder liegt in allen Arztpraxen und Apotheken auf.
Für die Vizepräsidentin der Österreichischen Apotheker-Kammer, Dr. Christiane Körner, bieten besonders die Apotheken eine niederschwellige Möglichkeit zur Informationsvermittlung und Prävention von DM II, sowie eine Schnittstelle zur Arztpraxis. „Wir können den Bauchumfang und den Blutdruck messen. Viele Apotheken verfügen auch bereits über moderne Messgeräte zur Blut-Glukosebestimmung. Wenn ein Wert nicht der Norm entspricht, legen wir dem Patienten dringend nahe, sich in ärztliche Behandlung zu begeben“, unterstreicht Körner die Rolle der ApothekerInnen im Bereich der Diabetesprävention und -behandlung. Immerhin können rund 20 bis 30 Prozent der Typ-2-DiabetikerInnen mit den genannten nichtmedikamentösen Maßnahmen erfolgreich behandelt werden. Was in diesem Kontext unter erfolgreich verstanden werden kann, erläutet Roden: „Das bedeutet, der HbA1c-Wert der Betroffenen liegt unter 7 mmol/l. Ist dies mit einer Lifestyleveränderung auch nach drei Monaten noch nicht erreicht, ist eine medikamentöse Therapie erforderlich.“ Dabei empfiehlt das Arznei & Vernunft-Team bei einem BMI (Body Mass Index) von über 26 kg/m2 eine Behandlung mit Metformin. Sollten Kontraindikationen bestehen, so kann auf die Medikation mit Sulfonylharnstoff ausgewichen werden. Liegt der BMI unter 26 kg/m2, sollte auf eine Monotherapie mit Sulfonylharnstoff umgestellt werden. Wird auch damit kein HbA1c-Wert von unter 7 mmol/l erreicht, ist eine Insulintherapie, eventuell in Kombination mit Metformin, indiziert (Behandlungsalgorithmus siehe Abb. 1).

Früh erkennen, optimal behandeln

Zufrieden mit den vorliegenden Leitlinien ist der Fachgruppenobmann Innere Medizin bei der Österreichischen Ärztekammer, Dr. Günther Wawrosky: „Die vorliegenden Behandlungsempfehlungen ermöglichen ein konsequentes Management des Krankheitsbildes bezogen auf das jeweilige Krankheitsstadium.“ Auch der Präsident der Pharmig, der Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen in Österreich, Dr. Hubert Dressler, zeigte sich von der Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnose und vom ehestbaldigen Behandlungsbeginn des DM II überzeugt: „Wir wissen, dass die Vermeidung der gefürchteten Spätschäden umso eher gelingt, je früher die Erkrankung erkannt und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können.“

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