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Innere Medizin 30. Juni 2005

Diabetes verursacht auch Probleme beim Denken

Eine schlechte Stoffwechseleinstellung dürfte Harn- und Stuhlinkontinenz, traurige Verstimmungen und kognitive Beeinträchtigungen begünstigen.

Von den 46 Einrichtungen füllten 26 entsprechende Fragebögen zu ihren Patienten aus. Erfasst wurden 2.000 Patienten, davon 533 mit Diabetes. Die Teilnehmer waren im Mittel 79 Jahre alt, die Diabetiker 78 Jahre. Männer stellten jeweils ein Drittel und Frauen zwei Drittel der Teilnehmer. Gefragt wurde unter anderem nach kognitiven Fähig-keiten, Beeinträchtigung der Stimmung, Visus, Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz.

Diabetiker schneiden auf der ganzen Linie schlecht ab

Das Ergebnis: „Die Diabetes-Patienten haben bei den geriatrischen Syndromen auf der ganzen Linie schlechter abgeschnitten“, sagte Prof. Dr. Wolfgang Beischer vom Bürgerhospital in Stuttgart. Harninkontinent waren zum Beispiel 51 Prozent von ihnen, aber nur 39 Prozent der Patienten ohne Diabetes. Stuhlinkontinenz plagte jeden Dritten, aber nur jeden fünften Nicht-Diabetiker. Jeder dritte Diabetiker war traurig verstimmt, aber nur jeder vierte Nicht-Diabetiker. Und kognitive Beeinträchtigungen fanden sich bei 32 Prozent der Patienten ohne Diabetes, aber bei 45 Prozent der Diabetiker. Vermutlich beeinflusse die Stoffwechseleinstellung die Ausprägung der Syndrome, so Beischer. „Es könnte durchaus sein, dass bereits ein mäßig erhöhter Blutzucker um 200 mg/dl das Denken beeinträchtigt“, sagte er beim deutschen Diabetikertag in Kassel. Das unterstütze die Forderung nach guter Blutzucker-Einstellung auch älterer Patienten. Strenge Ziele, etwa ein HbA1c unter 6,5 Prozent, erfordern bekanntlich einen Balanceakt zwischen guten Werten und dem Meiden von Hypoglykämien. Das geht, wenn der Patient mitarbeitet („Ich bin so alt – jetzt soll ich noch mal etwas Neues lernen?“) und die Therapie umsetzen kann. Das muss geschult werden. So stieg bei einer 83-jährigen Patientin der HbA1c nach dem Umstellen auf Insulin bis auf 10,7 Prozent. Als Ursache entpuppte sich nicht mangelnde Mitarbeit der alten Dame oder das Vergessen von Injektionen – sie benutzte den Insulin-Pen verkehrt. „Nach sechs Tagen und elf Einzelschulungen konnte die Diabetes-Patientin mit dem Pen korrekt umgehen“, so Beischer. In der Kontrolle liegt ihr HbA1c jetzt bei sechs Prozent.

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