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Innere Medizin 14. Juli 2005

DiabetikerInnen sollten ihr Herz im Auge behalten

Rund 250.000 Menschen in Österreich sind an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt. Aufgrund der oft späten Diagnose der Erkrankung sowie häufig gleichzeitig vorliegender weiterer Risikofaktoren ist das kardiovaskuläre Risiko bei diesen PatientInnen stark erhöht. Eine optimale Therapie muss Lebensstilmodifikation und eine effiziente medikamentöse Intervention umfassen.

Diabetes wird häufig erst dann entdeckt, wenn bereits Folgeerkrankungen aufgetreten sind. Die Dunkelziffer, so schätzen ExpertInnen, liegt sehr hoch. „25 Prozent der neu diagnostizierten DiabetikerInnen leiden bereits an einer KHK“, sagte Prof. Dr. Anita Rieder, Vorstand des Institutes für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien, bei einer Pressekonferenz. Bei 40 bis 50 Prozent der neu diagnostizierten DiabetikerInnen liegen eine Hypercholesterinämie und eine Hypertonie vor, und zehn bis 20 Prozent weisen eine periphere arterielle Verschlusskrankheit auf.„Auf dieser Basis ist der Patient mit frisch entdecktem Typ-2-Diabetes auch ohne weitere Risikofaktoren bereits ein vaskulärer Hochrisikopatient“, erläuterte Prof. Dr. Michael Roden, Präsident der Österreichischen Diabetesgesellschaft. Allerdings liegen bei der überwiegenden Anzahl von DiabetikerInnen zusätzliche Risikofaktoren, wie etwa Adipositas, Hypercholesterinämie, Dyslipidämie und Hypertonie, vor.

Früher erkennen und behandeln

„Es reicht nicht, regelmäßig den Blutzucker zu kontrollieren“, sagte Dr. Bernhard Fürthauer, Allgemeinmediziner aus Maishofen. Menschen, die aufgrund des Vorliegens der genannten Risikofaktoren zur Risikopopulation gehören, sollte eine Modifikation ihres Lebensstils ebenso nahegelegt werden wie eine medikamentöse Therapie der Hypertonie, Hyperglykämie und Dyslipidämie. „Dabei sollten Lifestylemodifikation und medikamentöse Therapie gleichzeitig begonnen werden“, sagte Doz. Dr. Otto Traindl, Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung mit Kardiologie, Nephrologie und Pulmologie am Krankenhaus Mistelbach. Das zeigen auch Studienergebnisse, wie etwa jene der dänischen Steno-2-Studie. Diese zielte nicht nur auf die Blutzucker-, sondern auch auf Blutdruck- und Blutfettsenkung ab. „Dabei zeigte sich, dass eine multifaktorielle Intervention mittels Lebensstilveränderung und Pharmakotherapie das erstmalige Auftreten von sogenannten ‚harten Endpunkten‘, wie Sterblichkeit und makrovaskulären Folgen an koronaren, zerebralen und peripheren Blutgefäßen, bei Typ-2-Diabetikern um 20 Prozent senkt“, erklärte Roden.

LDL-Cholesterin unter 100mg/dL

Speziell die Senkung der Blutfette mit Statinen, wie etwa Atorvastatin (Sortis®), stellt sich in der Arterio-skleroseprävention bei DiabetikerInnen zunehmend als wirksamer Faktor heraus. Dies zeigen auch die Ergebnisse mehrerer großer Studien, wie etwa PROVE-IT, REVERSAL, ALLIANCE, ASCOT-LLA und – ganz aktuell – CARDS (siehe Beitrag unten). „In mehreren großen Untersuchungen zeigte sich, dass eine Senkung des LDL-Cholesterins unter 100mg/dL die Prognose bei Risikopatienten, wie etwa Typ-2-Diabetikern verbessert“, erklärte Traindl.

Von der Theorie zur Praxis sei es allerdings noch ein weiter Weg, so Roden. „Die Betreuung der Typ-2-Diabetiker ist derzeit noch weit von der Erreichung der Standards zur Senkung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten entfernt.“ Untersuchungen der vergangenen drei Jahre zeigen, dass die Standards der Blutzuckereinstellung in weniger als 25 Prozent, der Blutdruckeinstellung in weniger als 30 Prozent und der LDL-Cholesterin-Werte in maximal 50 Prozent der Fälle erreicht werden. „Patienten dazu zu motivieren, ihren Lebensstil zu ändern, ist schwer“, sagte Dr. Barbara Valenta, Medical Director von Pfizer Austria. „Mit der Kampagne ‚Behalten Sie Ihr Herz im Auge‘ versuchen wir, Risikopatienten zu unterstützen.“ Dabei werden Betroffene im Rahmen eines mehr-monatigen Lern- und Motivationsprogramms bei der Lebensstilmodifikation begleitet. Der kostenlose „Herz-Führerschein“ wird seit Anfang Mai von mehr als 1.100 nie-dergelassenen ÄrztInnen kostenlos an PatientInnen abgegeben.

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