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Innere Medizin 30. Juni 2005

Diabetiker profitieren von Miktionstagebuch

Wegen Miktionsunregelmäßigkeiten und Verlust des Blasenfüllungsgefühls bei zunehmender Blasenkapazität kommen DiabetikerInnen in die Praxis. DiabetikerInnen in die Praxis.

Ursachen für die Blasenprobleme sind die diabetische Polyneuropathie und die Verlangsamung der neuronalen Erregungsleitung bis hin zur völligen axonalen Blockade. Aufgrund der gestörten Blasensensibilität werde der Restharn nicht wahrgenommen. Folgen sind rezidivierende Harnwegsinfekte, Rückstau des Urins in die Niere, Pyelonephritis und Harnsteinbildung. Die oft blande bis fehlende Symptomatik steht in krassem Gegensatz zur Prävalenz der diabetischen Zystopathie. Jeder vierte nicht Insulin-abhängige Diabetiker und fast jeder zweite Insulin-abhängige Diabetiker sind betroffen. Erschwerend kommen Begleiterkrankungen hinzu wie die benigne Prostatahyperplasie, zerebrovaskuläre Veränderungen sowie bei Frauen in der Postmenopause ein Östrogendefizit.

Urodynamik bei Verdacht auf Zystopathie

Dieser komplexe pathogenetische Hintergrund macht die Diagnostik aufwändig. Urologen empfehlen außer der detaillierten Anamnese zunächst das Führen eines Miktionstagebuches. Weil auch bei komplett asymptomatischen Patienten eine diabetische Zystopathie vorliegen kann, ist im Verdachtsfall die urodynamische Untersuchung indiziert. Das Blasenfüllungsgefühl wird üblicherweise zystometrisch bestimmt, das heißt über Ermittlung des Detrusordruckes. Zusätzlich ist die Druck-Fluss-Untersuchung zur Diagnosestellung erforderlich, die eine subvesikale Obstruktion oder eine neurogene Detrusor-Hypokontraktilität aufzeigen kann. Im Vergleich zu Gesunden haben Diabetiker ein signifikant größeres Miktionsvolumen, der maximale Harnfluss ist vermindert und der erste Harndrang wird erst bei Füllungsvolumina zwischen 600 und 800 ml verspürt, wie eine randomisierte Vergleichsstudie ergeben hat.

Das Miktionstagebuch hat nicht nur diagnostischen, sondern auch therapeutischen Wert. Mit Hilfe dieser Aufzeichnungen kann die Miktionsfrequenz nach der Uhr, zum Beispiel alle drei Stunden, erhöht und kontrolliert werden. Damit sinkt das Miktions- und das Rest-harnvolumen. Bei persistierenden Restharnmengen ist die Infektprophylaxe mit harnansäuernden Mitteln, etwa L-Methionin, oder mit einem niedrig dosierten Antibiotikum angezeigt. Dagegen scheitert die Selbstkatheterisierung erfahrungsgemäß meist an manuellen Einschränkungen der Patienten, am Unwillen oder kognitiven Unvermögen. Auch von Parasympathomimetika halten die Studienautoren nicht viel. Deren Wirksamkeit bei diabetischer Zystopathie sei bisher nicht ausreichend nachgewiesen. Gute Erfahrungen gebe es seit langem mit Metoclopramid, das offenbar nicht nur die gastrointestinale Motilität, sondern auch die Blasenentleerung stimulieren kann. Künftige Therapiekonzepte fokussieren auf den Mangel neuro-troper Substanzen.

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