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Innere Medizin 11. Juli 2005

COPD: Winter fördert Exazerbationen

Jeder 15. Raucher entwickelt eine chronisch obstruktive Bronchitis - die COPD.  Eine besonders gefürchtete Komplikation dabei sind die Exazerbationen. Das Mukolytikum N-Acetylcystein hat sich nicht nur in der Therapie, sondern auch in der Prophylaxe von Exazerbationen bei COPD-Patienten bewährt. Am 11. Oktober diskutierten Experten über Vorteile des rechtzeitigen Einsatzes des Mukolytikums.

"Die COPD ist eine volkswirtschaftlich bedeutsame Gesundheitsstörung", stellte Prim. Dr. Kurt Aigner, Facharzt für Pneumologie am Krankenhaus der Elisabethinen in Linz, im Rahmen des von Fujisawa organisierten Expertenforums "Neubewertung von N-Acetylcystein?eingangs fest. "Die Früherkennung der Erkrankung ist wesentlich zur Hintanhaltung der sekundären Veränderungen wie Hypoxämie, Polyglobulie oder pulmonaler Hochdruck."
Die COPD wird bis zum Jahr 2020 in der Statistik der Todesursachen weltweit an dritter Stelle liegen. Und: Infolge des ansteigenden Zigarettenkonsums bei den Frauen nimmt auch die Zahl der COPD-Fälle bei den Frauen zu. "90 Prozent aller COPD-Patienten sind Raucher", hält Dr. Sylvia Hartl, Oberärztin am Pulmologischen Zentrum Baumgartner Höhe in Wien, fest. Allerdings entwickeln "nur" 26 Prozent aller Raucher auch eine COPD.

Ungünstige Ausgangsposition für Zigarettenraucher

Derzeit wird intensiv geforscht, um eventuelle genetische Faktoren, die die Entstehung einer COPD begünstigen, herauszufinden. Für Hartl steht jedenfalls die Früherkennung der COPD an erster Stelle: "Bis zur verbesserten Vorhersagbarkeit der Schädigung durch Rauchen müssen Risikogruppen durch Symptome wie Husten und Auswurf mittels regelmäßiger Lungenfunktionsprüfung gescreent werden."
Gerade im Winter kommt es bei COPD-Patienten immer wieder zu Exazerbationen ihrer Erkrankungen, die im Extremfall bis zum Tod führen können, jedenfalls aber fast immer einen stationären Aufenthalt notwendig machen. Angesichts der verstärkten Morbidität, der geminderten Lebensqualität und des erhöhten Mortalitätsrisikos, aber auch aus ökonomischen Gründen ist die Prävention der akuten Exazerbationen ein wichtiges medizinisches Ziel.
"Inzwischen ist der präventive Effekt einer Langzeittherapie mit N-Acetylcystein (NAC) durch mehrere Studien belegt", erklärte Prof. Dr. Rolf Meister, Karl Hansen-Klinik Bad Lippspringe, Deutschland. "Die Exazerbationsrate nahm um rund 20 Prozent ab und das Risiko zur Re-Hospitalisierung sank um etwa 30 Prozent. Drei Metaanalysen haben inzwischen den protektiven Effekt von NAC gegenüber COPD-Exazerbationen bestätigt."

N-Acetylcystein in Studien bewährt

Weitere Ergebnisse der vorliegenden Studien zeigen den präventiven Charakter der Therapie mit NAC (Aeromuc®): So wurden weniger Antibiotika verbraucht, der Hustenschweregrad und die Dyspnoe nahmen ab. Auch die Sputumviskosität verringerte sich und die Schleimexpektoration war erleichtert. Nicht zuletzt nahm die Anzahl krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeits- und Schulfehltage ab. "Die direkten Kosten einer NAC-Langzeittherapie werden im Vergleich zur bedarfsweisen Antibiotika-Gabe durch Einsparungen im Bereich der indirekten Kosten überkompensiert," so Meister.
Prim. Dr. Norbert Vetter, Leiter der 2. Internen Abteilung am Pulmologischen Zentrum der Stadt Wien: "Die Richtlinien der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease GOLD, 2003 sehen neben einer exakten Diagnosestellung, präventiven Maßnahmen, der Langzeittherapie sowie der Vermeidung von Risikofaktoren die Behandlung der akuten Exazerbation als eine der wichtigsten Komponenten an."
Auch die Therapie mit NAC findet sich mittlerweile in den GOLD-Richtlinien. Nach den vorliegenden Studien ist NAC ebenso protektiv gegenüber COPD-Exazerbationen wie die Langzeittherapie mit inhalativen Kortikosteroiden. Welche Mechanismen für die Wirkung verantwortlich sind, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Vorrangig diskutiert werden antioxidative, antientzündliche Eigenschaften und die Hemmung des endobronchialen Bakterienwachstums.

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