zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 30. Juni 2005

Mehr Lebensqualität bei COPD

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung - COPD - ist eine "schleichend" verlaufende Atemwegserkrankung und tritt weitaus häufiger auf als Asthma. Eine COPD ist erkennbar an den sogenannten AHA-Symptomen - Auswurf, Husten und Atemnot - und wird überwiegend durch Rauchen verursacht.

Oft Diagnose sehr spät

"COPD ist nach den neuesten internationalen Richtlinien als eine Erkrankung mit nicht vollständig reversibler Atemstrombehinderung definiert", erklärte Prof. Dr. Otto Burghuber, Vorstand der I. Internen Lungenabteilung am Otto Wagner-Spital, Sozialmedizinisches Zentrum, Baumgartner Höhe in Wien, bei einem Pressegespräch Mitte Juli zur Vorstellung des neuen COPD-Medikamentes Spiriva®.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation leiden weltweit rund 600 Millionen Menschen an COPD, wobei die Krankheit oft erst sehr spät diagnostiziert wird. COPD ist die sechsthäufigste Todesursache weltweit, drei Millionen Menschen versterben jährlich daran. Schätzungen zufolge wird COPD im Jahre 2020 die dritthäufigste Todesursache sein. "Grundpfeiler der medikamentösen Therapie ist die inhalative Gabe von Bronchodilatatoren, wobei aufgrund der bei der Pathophysiologie der COPD involvierten vagalen Mechanismen Anticholinergika als unverzichtbare Basistherapie angesehen werden", führte Burghuber weiter aus, "Das neue lang wirksame Anticholinergikum Tiotropium - Spiriva®- stellt nicht nur wegen der Einmalgabe und der daraus resultierenden besseren Compliance der Patienten einen erheblichen therapeutischen Fortschritt dar, sondern auch weil dieser Wirkstoff den bisher verfügbaren Bronchodilatatoren in vielen Punkten überlegen ist."

Die primären Behandlungsziele bei COPD seien Verbesserung der Lungenfunktion, Symptomreduktion, Steigerung von Belastungstoleranz und Lebensqualität sowie Reduktion der Häufigkeit und Schwere von Exazerbationen und damit verbunden eine Senkung der Hospitalisierungsfrequenz.

Höhere Belastungstoleranz

"Diese Ziele werden durch die neue Therapieform in höherem Maße erreicht als mit zwei Mal oder vier Mal täglich zu applizierenden Medikamenten", so Burghuber.Doz. Dr. Helmut Rauscher von der Abteilung für Atmungs- und Lungenerkrankungen des Krankenhauses der Stadt Wien Lainz erklärte im Anschluss daran ausführlich den wesentlichen Unterschied zwischen Ipratropium und Tiotropium: "Die chemische Struktur ist auf den ersten Blick sehr ähnlich. Tiotropium enthält jedoch zwei Thiopen-Ringe, welche das Molekül lipophiler machen und für eine gegenüber Ipratropium veränderte Rezeptorkinetik verantwortlich sind."

Wirksamkeit in Studien belegt

Belegt wurde die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Tiotropium in vier großen klinischen Studien mit einer Beobachtungsdauer von einem Jahr sowie zwei großen klinischen Halbjahresstudien mit insgesamt mehr als 1.100 Patienten, die Tiotropium versus Placebo, Ipratropium oder Salmeterol erhielten.
"Spiriva® ist der erste inhalative Bronchodilatator für die einmal tägliche Anwendung bei COPD", hob Prof. Dr. Helgo Magnussen vom Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie des Krankenhauses Großhansdorf, Deutschland, hervor. Aufgrund seines pharmakologischen und klinischen Profils stelle sich Spiriva® als Dauertherapie der ersten Wahl bei allen Schweregraden der COPD dar. 

Tiotropium wird als Pulverinhalation mittels des speziell für dieses Medikament und für die Indikation COPD entwickelten HandiHalers verabreicht. In einer Studie konnte belegt werden, dass dieser Inhalator auch bei stark eingeschränkter Lungenfunktion eine suffiziente pulmonale Wirkstoffdeposition gewährleistet. "Man tut gut daran, bei der Einführung eines neuen Medikamentes nicht zu euphorisch zu sein, aber wir haben bei Spiriva® ein gutes Gefühl für diese Patientengruppe", meinte Magnussen abschließend. Spiriva® befindet sich bereits in Deutschland, Dänemark, Finnland, den Niederlanden, den Philippinen sowie in Schweden auf dem Markt. Die Einführung in Österreich ist für den 1. Oktober 2002 geplant.

Dr. Karin Reischl, Ärzte Woche 29/2002

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben