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Innere Medizin 30. Juni 2005

Mit einer COPD durch den Winter

Oft hinterlässt die Exazerbation im Rahmen einer COPD lang anhaltende oder sogar irreversible Einschränkungen der Lungenfunktion. Das Verhindern jeder einzelnen Exazerbation ist demnach ein wichtiger Schritt für eine gute Langzeitprognose. Im Winter besonders von Bedeutung ist natürlich die Grippeprophylaxe.

Exazerbation ist keine Eintagsfliege

Eine Arbeitsgruppe aus London hat bei Patienten mit moderater bis schwerer COPD kürzlich eine Exazerbationsrate von 2,4 pro Jahr beobachtet. Interessant ist, dass der Exazerbation im Allgemeinen eine siebentägige Prodromalphase voranging, während der die Patienten unter unspezifischen ("grippeähnlichen") Symptomen und zunehmender Atemnot litten. Die Lungenfunktion, gemessen anhand des PEF (Peak Expiratory Flow), zeigte in dieser Phase jedoch keine auffälligen Veränderungen. Der Übergang zur Exazerbation erfolgte dann sehr abrupt, d.h. innerhalb eines Tages kam es zu einer schlagartigen Verschlechterung, wobei die massive Atemnot ganz im Vordergrund des Beschwerdebildes stand. Damit verbunden war ein plötzlicher Abfall des PEF auf etwa 95 Prozent des Ausgangswertes.

Die Rückbildung der pathologischen Veränderungen erfolgte bei den meisten Patienten zwar innerhalb einer Woche, doch war immerhin bei einem Viertel der Patienten nach einem Monat und bei 10 Prozent auch nach drei Monaten der PEF-Ausgangswert nicht wieder erreicht worden. Diese Studie zeigt also ganz deutlich, dass die Exazerbation den Patienten nicht nur für die Dauer von wenigen Tagen beeinträchtigt, sondern im Allgemeinen über einen Zeitraum von zwei Wochen, wenn man Prodromal-, Akut- und Erholungsphase zusammenfasst.

Prophylaxe: komplexe Herausforderung

Als gängige Auslöser einer Exazerbation werden Infektionen, Umweltverschmutzung, die Bronchiolitis exsudativa, Hyperämien in der Schleimhaut der kleinen Atemwege und Missachtung der Therapieanweisungen genannt. Diese mannigfaltigen und teils schwer zu beeinflussenden Ursachen machen also sehr deutlich, dass eine gezielte Prophylaxe nur bedingt möglich ist. Sehr effektive Maßnahmen hat man jedoch für die Grippeprophylaxe zur Verfügung. Die Schutzimpfung kann mit einer hohen Erfolgsrate aufwarten, sodass diese Maßnahme den Risikogruppen, wie etwa COPD- Patienten, dringend zu empfehlen ist. Patienten, die nicht geimpft sind, sollten zumindest eine adäquate Akuttherapie (Neuraminidase-Hemmer) zuhause bereithalten, um beim Auftreten der ersten Symptome gezielt eingreifen zu können. Dass der Einsatz der Neuraminidase-Hemmer auch prophylaktisch sinnvoll ist, hat eine aktuelle Studie mit Zanamivir gezeigt (NEJM 2000; 343: 1282-89).

Im Rahmen dieser Studie wurden über 300 Familien beobachtet, in der es zu einer Grippeerkrankung gekommen war. Diese Familien wurden randomisiert einer Prophylaxe mit Zanamivir (10 mg über 10 Tage) oder der Placebogruppe zugeordnet. Das bereits erkrankte Familienmitglied erhielt in therapeutischer Absicht entweder Zanamivir oder Placebo für eine Dauer von fünf Tagen. Die Ergebnisse dieser Studie sind überaus beeindruckend. Unter der Placebo-Prophylaxe war es bei 19 Prozent der Familien zu einer Grippekrankung gekommen, während die Grippe- inzidenz in der Zanamivir-Gruppe auf vier Prozent gesenkt werden konnte. Bestätigt wurde in dieser Studie die gute therapeutische Wirksamkeit von Zanamivir, das heißt, die mediane Erkrankungsdauer wurde von 7,5 Tagen in der Placebogruppe auf 5,0 Tage reduziert.

Dr. Oskar Pichelmayer, Ärzte Woche 8/2001

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