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Innere Medizin 30. Juni 2005

Husten muss nicht zu quälender Schwerstarbeit werden

Das Erlernen von Atemtechniken ist bei chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) enorm wichtig. Auch richtiges Husten will gelernt sein. Wie es geht, können Physiotherapeuten den Patienten qualifiziert vermitteln.

Selbsthilfetechniken sollen beim Atmen helfen

Eine Atemtherapie, zu der auch Methoden zur Verbesserung von Atemmuskelkraft und Thoraxbeweglichkeit gehören, wird nur selten verordnet, hat Dr. Gabriele Brockhausen aus Stade beim 41. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie in Hamburg kritisiert. Die niedergelassene Lungenfachärztin hat Physiotherapeuten in ihrer Region angeschrieben und sich erkundigt, wie oft Atemtherapie verschrieben werde. Selbst in großen Praxen, so das Ergebnis, gingen jährlich oft nur bis zu zehn Verschreibungen ein - und zwar fast ausschließlich von Fach-, nicht von Hausärzten. "Hausärzte wissen zu wenig über die krankengymnastische Atemtherapie", so Brockhausen. Auch seien die Verordnungszahlen als Folge der Budgetierung drastisch zurückgegangen.

Was Atemtherapie alles beinhaltet, darüber haben bei einem Satellitensymposium auch Dr. Konrad Schulz aus Pfronten und die Physiotherapeutin Petra Kirchner aus Frankfurt am Main berichtet. Ganz am Anfang steht das A und O der Atemtherapie: Selbsthilfetechniken, die es Patienten ermöglichen, etwa mit erschwerter Ausatmung unter Belastung besser zurechtzukommen und schädigende Atemformen zu meiden. Die dosierte Lippenbremse etwa verhindert einen exspiratorischen Tracheobronchialkollaps und werde immer angewendet, "wenn? anstrengend wird", so Kirchner, also zum Beispiel beim Heben schwerer Gegenstände oder beim Treppensteigen. "Jeder macht die Lippenbremse etwas anders", sagte Kirchner. Eine didaktische Hilfe sei der Hinweis, ein Luftpolster zwischen oberer Zahnreihe und Lippen zu bilden.

Erleichterung bei Atemnot bringen auch Körperhaltungen mit fixiertem Schultergürtel. Sie erlauben einen besseren Einsatz der Atemmuskulatur, entblähen die Lungen und erweitern die Atemwege. Dazu gehören Kutschersitz und Reitsitz mit Aufstützen der Arme auf Oberschenkeln oder Stuhllehne. Wer am Tisch sitzt, kann Kissen unter die Arme legen und so den Schultergürtel anheben. Im Stehen kann man sich etwa an die Wand oder auch auf einen Regenschirm stützen. Die für ihn beste Haltung sollte ein Patient selbst wählen.

Richtiges Husten kann man lernen

Nicht nur richtiges Atmen, auch richtiges Husten muss den Patienten beigebracht werden, denn hohe intrathorakale Drücke sind nicht gut für das angeschlagene, instabile Bronchialsystem. Schulz empfahl, gegen den Handrücken als Widerstand zu husten und forciertes Husten aus tiefer Inspiration zu vermeiden. "Forcierter Husten wird mit zunehmender Obstruktion weniger effektiv", sagte Schulz, "das Abhusten wird schließlich zur quälenden Schwerstarbeit." Um den Schleim aus den Bronchien herauszubekommen, sei forciertes Abhauchen, das Huffing, effektiver. Erst, wenn der Schleim so in die Trachea gelangt sei, sollten die Patienten husten - und zwar aus Atemmittellage. Das Abhusten könne auch durch apparative Hilfen erleichtert werden. "Das belastet nicht das Budget", betonte Schulz. In diese Geräte - das Cornet etwa ist ein gebogenes Plastikrohr, das einen Ventilschlauch enthält - bläst der Patient hinein, wobei ein oszillierender Ausatemdruck und Atemfluss erzeugt werden. Dadurch kann Schleim gelöst werden.

Inhalation noch im Bett

Die morgendliche Bronchialtoilette sollte nach Schulz? <N>Angaben noch im Bett mit der Inhalation eines Betamimetikums beginnen - <N>es sei "einer der besten Schleimlöser". Auch Dehnlagerungen und Hin- und Herrollen im Liegen können Schleim mobilisieren. Abhusten sollten die Patienten erst im Sitzen, so Schulz. Sonst sei der Husten oft unproduktiv und reize höchstens die Luftwege. Haben Patienten Selbsthilfetechniken erlernt, orientiert sich die weitere Behandlung individuell an einer differenzierten physiotherapeutischen Untersuchung. Ziele sind vor allem die Verbesserung der Atemmuskelkraft und der Thoraxbeweglichkeit. Das gelingt etwa mit Einatmen gegen die Therapeutenhände, Übungen mit einem elastischen Band, Massagen und besonderen Handgriffen, mit denen erhöhte Gewebswiderstände am Brustkorb verringert werden sollen.

Da COPD-Patienten häufig Steroide bekommen, ist auch eine Stärkung der Rückenmuskulatur zur Osteoporoseprophylaxe wichtig. Gerade bei Patientinnen in der Postmenopause sollte, so Kirchner, zudem an eine Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur gedacht werden - "damit Husten nicht noch ein zusätzliches Problem schafft", nämlich Inkontinenz. Damit Physiotherapeuten geeignete Methoden auswählen können, sollten Ärzte sie informieren, ob Patienten etwa eine kortisoninduzierte Osteoporose haben, sagte Kirchner.

AZ/Bianca Bach, Ärzte Woche 2/2001

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