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Innere Medizin 30. Juni 2005

Asthma-Management in einer Reale-Welt-Version

Eine "Asthma in Real Life Study" (AIR; Price D et al, Asthma J 1999;4:74-78) zeigte laut Dr. Norbert Vetter, Pulmologisches Zentrum, Otto Wagner Spital, Wien, die therapeutischen Defizite deutlich auf, unter denen viele Asthmatiker noch immer leiden. Verantwortlich für diese Situation sind unter anderem Compliance-Probleme, Kortison-Angst und Kommunikationsmängel.

Therapieoptimierung nötig

Die unzureichende Unterdrückung asthmatischer Beschwerden, die mangelhafte Stabilisierung der Lungenfunktion und die inadäquate Aufrechterhaltung eines aktiven Lebensstils weisen deutlich auf die Notwendigkeit einer Optimierung des Asthma-Managements in einer Reale-Welt-Version hin. Im Besonderen bedeutet dieser therapeutische Ansatz die Ausschöpfung aller therapeutischen Möglichkeiten, die Aufstellung eines individuellen Behandlungskonzepts und eine kontrollierte und evaluierte Patientenschulung.

Prof. Dr. Sven-Erik Dahlen, Karolinska Institut, Stockholm, betonte auf einem Symposium im Rahmen der European Academy of Allergology & Clinical Immunology (EAACI) im Juli 2000 in Portugal die große pa- thogenetische Bedeutung der Cysteinyl-Leukotriene für das respiratorische System und den damit verbundenen signifikanten klinischen Benefit von Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten wie Montelukast (Singulair®).

Unter dem Einfluss von Leukotrienen kommt es zu einer Kontraktion der glatten Atemwegsmuskulatur, zu einer vermehrten Schleimsekretion, zu einer Plasma-Exsudation in die Atemwege, zu einer Steigerung der Mukosa-Perfusion und zu einer Akkumulation von eosinophilen Granulozyten.

Moderne Alternative

"Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten können alle diese Pathomechanismen der Cysteinyl-Leukotriene wirkungsvoll hemmen", berichtete Prof. Dr. Hans Bisgaard, Pädiatrische Universitätsklinik Kopenhagen, "wobei Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten an einer Stelle der asthmatischen Entzündung ansetzen, die von Kortikosteroiden nicht angetastet wird.

Im Gegensatz zur historischen Dimension der Kortison-Angst sind Leukotrien-Rezeptor-An- tagonisten wie Montelukast völlig unbescholten und besitzen ein Nebenwirkungsprofil auf Placeboniveau. Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten sind eine moderne Alternative oder auch Ergänzung in der Therapie des Asthma bronchiale."

Klinische Effizienz

Prof. Dr. Stephen T. Holgate, Universität Southampton, zeigte anhand einer erweiterten Vergleichsstudie zwischen inhalativem Beclomethason-dipropionat und oralem Singulair®, an der erwachsene Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Asthma teilnahmen, dass die anfängliche Überlegenheit des Kortikosteroids nach mehreren Wochen deutlich nachließ. Die klinische Effizienz von Montelukast hingegen konnte über die gesamte Beobachtungsphase von 100 Wochen konstant aufrechterhalten werden.

Unter Montelukast kommt es, wie zahlreiche rezente Studien beweisen, zu einer deutlichen Symptomverbesserung, Reduktion des Bedarfs an Beta-2-Mimetika, Verbesserung der Nachtruhe sowie von vielen Lebensqualitätsparametern wie sozialen Kontakten, körperlicher Aktivität und subjektivem Wohlbefinden.

Vetter: "Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten stellen für Patienten mit mildem Asthma mit aktivitätsinduzierten Symptomen, die bisher nur ein Beta-2-Mimetikum erhalten haben, jedoch eine antientzündliche Medikation benötigen, eine wertvolle Alternative zu anderen Controllern dar. Für Patienten mit inhalativen Steroiden, die noch nicht optimal eingestellt sind, können Leukotrien-Rezeptor-Antagonis- ten als Alternative zu einer Dosiserhöhung der inhalativen Steroide empfohlen werden, aber auch als Alternative oder als Ergänzung zu einem langwirksamen Beta-2-Mimetikum."

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