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Innere Medizin 30. Juni 2005

"Toni" erleichtert schweres Heben

Ein altbekanntes Problem der Arbeitsmedizin will der Gaminger Arbeitsmediziner und Kneipparzt Dr. Felix Berger mit einer interessanten Erfindung lösen. "Bekanntlich machen Schäden des Halte- und Stützapparates bis zu 40 Prozent der Krankenstände aus", so der Arbeitsmediziner, "und es gab bisher nicht wirklich etwas, womit man den Leuten helfen konnte."

Hebelast verteilt sich auf viele Muskeln

Dabei scheint die Lösung so einfach. Inspiriert vom Wieselburger Erfinder Anton Pracher, hat der frühere Hausarzt zwei Rückenschoner entwickelt, die es insbesondere Beschäftigten im Pflegedienst und Verkäuferinnen leichter machen soll. Das Prinzip ist simpel. Berger: "Das erste Produkt, der so genannte "Toni" (von Tonus), besteht aus einem Brust-, einem Bauchgurt und zwei Manschetten, die um die Oberschenkel geschnallt werden." Der eigentliche Clou dabei sind Glasfiberstäbe, die am Rücken in die Konstruktion eingelassen werden. Ist der "Toni" angelegt, verteilt sich so die Hebelast auf eine Vielzahl von Muskeln, der Rücken wird somit entlastet und gestützt.

Berger: "Unsere Versuche haben ergeben, dass dadurch die subjektive Belastung um die Hälfte abnimmt. Das heißt, man hebt ein Zementsackerl wie einen Einkaufskorb."Entwickelt wurden die Rückenschoner in Zusammenarbeit mit zwei Firmen, die auch die Herstellung übernehmen werden. Der Rückenschoner besteht aus einem Abstandsgewirke, das zu 95 Prozent aus Luft besteht. Dadurch sollen Feuchtigkeitssperre und Wärmestau vermieden werden. Berger sieht dieses Produkt vor allem im Pflegedienst angebracht. "Für die Krankenschwestern und -pfleger wäre es so was wie eine persönliche Schutzausrüstung, denn ich weiß, wie sehr sie trotz neuer technischer Einrichtungen belastet sind und leiden."

Weil der "Toni" leicht unter dem Arbeitsmantel getragen werden kann, sieht Berger als zweite Zielgruppe Verkäuferinnen. "Die müssen tagtäglich Lieferungen entgegennehmen und Regale einräumen. Als Landarzt kennt man die Tränen, die aus dem Leidensdruck entstehen, weil sie ja auch keine Jobalternativen haben."

"Toni?ist kaum zu spüren

Der "Toni? so der findige Arzt, lässt sich mit einem Griff lockern und man spürt ihn kaum. Die Stäbe soll es in drei Stärken geben, um auf verschiedene Körpergrößen und die damit verbundenen Hebekräften einzugehen. Für Arbeiter in Werkstätten, Lagerhallen und am Bau hat Berger eine eigene Entwicklung der Grundidee: einen Overall, in dem die Glasfaserstäbe eingearbeitet sind. Neben Arbeitssituationen, in denen schwer gehoben werden muss, soll er auch Menschen das Leben leichter machen, die in gebückter Haltung arbeiten. Ihn hat Berger "Axel" (nach Achsenorgan) genannt.

Jetzt ist der findige Arzt auf der Suche nach geeigneten Vertriebswegen. Aber eigentlich, erzählt der Gaminger, seiist das Ganze nur ein Nebenprodukt seiner Tätigkeit. Er hat im Sommer seine Kassenpraxis in Gaming abgegeben, "weil ich die Umstellung auf die Chipkarte nicht mehr mitmachen wollte". Er sieht dadurch den Datenschutz und das ärztliche Vertrauensverhältnis gefährdet. Jetzt kann er sich neben der Arbeitsmedizin seinem Hauptanliegen widmen: der Entwicklung eines Konzepts zur individuellen Gesundheitsschulung auf Basis der klassischer Naturheilkunde. Berger, der auch Kneipp-Arzt ist, schwebt ein "Salus-Konzept" vor als Gegenentwurf zur Wellness-Welle, "denn die ist viel zu unspezifisch. Die Leute überlasten sich doch die meiste Zeit."

Kurt Sattlegger, Ärzte Woche 9/2002

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