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Innere Medizin 8. Juli 2005

Powernapping macht müde Köpfe fit

Den Kopf auf die Tischplatte legen oder sich im Bürostuhl zurücklehnen und kurz die Augen schließen – das Nickerchen am Arbeitsplatz ist weit verbreitet, denn das Erholungsbedürfnis zu Mittag ist physiologisch bedingt.

Schon lange gibt es Studien, die belegen, dass ein Schläfchen in der Mittagspause die Leistungsfähigkeit steigert. In den USA und Japan dürfen daher immer mehr Angestellte und Manager einen mittäglichen „Powernap“ einlegen. Auch in Europa hält der Trend langsam Einzug. „Der Mittagsschlaf entspricht einem natürlichen Bedürfnis des Menschen“, sagt Professor Jürgen Zulley, der Vorsitzende der Deutschen Akademie für Gesundheit und Schlaf. Zugleich hat er positive Effekte: Durch einen Powernap werden Leistungsbereitschaft sowie körperliche und geistige Befindlichkeit gesteigert. Auch das Risiko von Fehlern und Unfällen am Arbeitsplatz sinkt deutlich. Will man sich nach der Schlafpause wieder richtig frisch fühlen, so darf man nicht zu lange wegschlummern. „Ein Powernap sollte zwischen zehn und 30 Minuten dauern“, betont Zulley, der am Schlafmedizinischen Zentrum des Universitäts- und Bezirksklinikums Regensburg arbeitet. Wer länger schläft, wird so schnell nicht wieder munter. Viele können in der Mittagspause überhaupt nicht schlafen. „Mit Entspannungstechniken wie progressiver Muskelentspannung, Yoga oder autogenem Training ist Powernapping aber erlernbar“, sagt Schlafforscher Zulley.

Einfach die Augen schließen

„Entscheidend ist nicht das Schlafen selbst, sondern das kurze Wegnicken“, betont er. Auch wer am Arbeitsplatz nur einfach abschaltet und die Augen schließt, kann auf die belebende Wirkung hoffen. „Man muss nicht immer liegen, eine entspannte Körperhaltung reicht oft schon aus.“„Die beste Zeit für einen Powernap ist nach dem Essen zwischen 12 und 14 Uhr“, sagt Dr. Martin Braun vom Stuttgarter Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. In diesem Abschnitt des Tages ist der Mensch am wenigsten leistungsfähig und hat ein natürliches Schlafbedürfnis. „Leider wird diesem natürlichen Rhythmus in der modernen Gesellschaft nur noch wenig Platz eingeräumt“, so der Wissenschaftler.

Niedrige ACTH-Spiegel

Der Mensch ist bekanntlich im Tagesverlauf unterschiedlich leistungsfähig. Untersuchungen haben gezeigt, dass es uns etwa gegen elf Uhr am leichtesten fällt, längere Texte zu schreiben. Um 13 Uhr herum sind viele Menschen einfach müde. Und nachmittags ist die Fähigkeit zum Diskutieren besonders gut ausgeprägt. „Der Mittagsschlaf ist in Deutschland aber nach wie vor verpönt“, bedauert Braun. In den Mittelmeerländern oder in Asien werde dem Bedürfnis nach einem Nickerchen traditionell mehr Freiraum gegeben. In den USA steigt die Zahl der Unternehmen, die spezielle Räume für die mittägliche Entspannung einrichten. In Deutschland wachen die Chefetagen beim Thema Powernapping ebenfalls langsam auf. „Es gibt bereits viele positive Beispiele wie etwa die Stadtverwaltung im niedersächsischen Vechta“, sagt Zulley. „Denn, ein ausgeschlafener ist einfach auch ein leistungsfähiger Mitarbeiter.“

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