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Innere Medizin 30. Juni 2005

Arbeitslosigkeit fördert Krankheit

Von März 1999 bis Februar 2001 lief in Salzburg ein von der Europäischen Kommission gefördertes Projekt zum Thema "Arbeitslosigkeit und psychische Gesundheit". Unterstützt wurde das von der Universität Deusto in Bilbao (Spanien) koordinierte Projekt auch vom "Fonds Gesundes Österreich".
Mit Partnerorganisationen aus ganz Europa wurden Forschungsergebnisse und Studien zu den Zusammenhängen zwischen Arbeitslosigkeit und psychischem Wohlbefinden gesammelt; ebenso wurden europäische Projekte analysiert.

Ärzte als wichtige Zielgruppe

"In einem nächsten Schritt sollen die Ergebnisse möglichst vielen Zielgruppen zugänglich gemacht werden, um so das Bewusstsein in der Gesellschaft für die vielfältigen psychischen Belastungen bei Arbeitslosigkeit zu fördern. Eine wichtige Zielgruppe dabei sind die Ärzte", betont Mag. Helga Gumplmaier vom Institut Integral, das für die Umsetzung des Projektes verantwortlich war.

Kooperationspartner gesucht

Aus den Erkenntnissen wurde ein Verbreitungs- und Schulungskonzept entwickelt, für das momentan Kooperationspartner im deutschsprachigen Raum gesucht werden, da von der EU keine Gelder mehr zu erwarten sind. Angeboten werden sollen Vorträge und Seminare für verschiedene MultiplikatorInnen, darunter der Gesundheitsbereich, sowie Workshops für und mit Betroffenen.
Die Analyse der Studien im Projektzeitraum machte die Bedeutung einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik deutlich: Arbeitslosigkeit fördert Depressionen, Schlafstörungen, Gereiztheit, Nervosität, Konzentrationsstörungen und psychosomatische Krankheiten.
"Leider wird der unmittelbare Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und psychischer Gesundheit in unserer Gesellschaft kaum diskutiert", bedauert Gumplmeier.

Als eine der Hauptauswirkungen berichten Arbeitslose von permanentem Unwohlsein. Dieses verursacht Frustration, den Verlust von Selbstwertgefühl, Apathie, Phasen von erhöhtem Stress sowie den Verlust von persönlicher und sozialer Identität.
Arbeitslosigkeit hat, vor allem wenn sie länger andauert, auch massive negative Auswirkungen auf das Familienleben und die Stellung im gesamten sozialen Umfeld. Männer sind von der Situation in einer besonderen Art betroffen, da sich viele nach wie vor fast ausschließlich über ihren Beruf und den "Erfolg" am Arbeitsplatz definieren. Die belastende Situation ist gerade bei Männern oft Anlass für den Ausbruch von bis dahin kaschierten Berufskrankheiten oder Folgen von Burn-out.

"Hausärzte könnten in einer derart kritischen Situation den Patienten Begleitung anbieten und für gesundheitliche Alarmzeichen besonders wachsam sein", ist Gumplmeier überzeugt. Als Vertrauenspersonen wäre sie auch für die Vermittlung zu psychologischer und/oder psychotherapeutischer Betreuung oder in Beschäftigungsprojekte wertvoll.

Nicht zuletzt könne sich der Arzt für Projekte auf Gemeindeebene einsetzen, bei denen es um Maßnahmen zur Berufsorientierung geht.
Für Themen wie Gesundheit am Arbeitsplatz, Umgang mit Stress, Prophylaxe von Burn out oder sonstige arbeitsmedizinischen Aspekte wären Ärzte auch als Referenten oder Begleiter die idealen Partner.

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