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Innere Medizin 8. Juli 2005

Clostridien-Colitiden vermeiden

Die Wirksamkeit von probiotischen Keimen wie Lactobacillus- oder Bifidobacterium- Stämmen bei Antibiotika-assoziierter Diarrhoe wurde durch große Meta-Analysen abgesichert. Es gibt inzwischen aber auch Hinweise, dass durch Probiotika die Clostridien-Diarrhoe behandelt beziehungsweise vermieden werden könnte.

Eines der großen Probleme bei der Anwendung antimikrobiell wirksamer Substanzen ist das Auftreten einer Antibiotika-assoziierten Diarrhoe. Laut Literatur tritt diese Nebenwirkung bei fünf bis 25 Prozent der behandelten Patienten auf und zwingt nicht selten zum Absetzen der Therapie.

Prinzipiell kann jedes Antibiotikum Durchfälle auslösen ?je breiter das antimikrobielle Spektrum jedoch ist, desto wahrscheinlicher tritt eine Antibiotika-assoziierte Diarrhoe auf. Schwerkranke und längerfristig hospitalisierte Patienten sind besonders gefährdet.

Ein wichtiger Risikofaktor ist auch das Alter: Bei Patienten über dem 65. und unter dem 60. Lebensjahr ist die Inzidenz deutlich erhöht. Besonders gefürchtet ist das Auftreten der pseudomembranösen Colitis, die in den meisten Fällen durch eine Fehlbesiedelung mit Clostridium difficile ausgelöst wird. Dieser Erreger kann bei etwa 20 bis 25 Prozent der Patienten mit Antibiotika-assoziierter Diarrhoe isoliert werden (Bergogne-Berezin E. Int J Antimicrob Agents 2000; 16 (4): 521-6)).

Signifikant wirksam

Die Therapie der pseudomembranösen Colitis erfolgt üblicherweise mit Metronidazol oder Vancomycin, leichtere Formen der Antibiotika-assoziierten Diarrhoe können erfolgreich mit Probiotika behandelt beziehungsweise vermieden werden. Da als primäre Ursache der Antibiotika-assoziierten Diarrhoe eine Störung der physiologischen Darmflora angenommen wird, ist der Einsatz von probiotischen Keimen eine logische und kausale Therapiemöglichkeit (siehe Abb.).

Die hochsignifikante Wirksamkeit von Probiotika, insbesondere von Lactobacillus-Stämmen, konnte durch Meta-Analysen, die in renommierten Journalen publiziert wurden, eindeutig bewiesen werden (D’Souza AL, et al. BMJ 2002; 324: 1361; Cremonini F, et al. Aliment Pharmacol Ther 2002; 16 (8): 1461-7).

Durchfälle deutlich reduziert

Vor allem bei Kindern kann durch Zufuhr von Lactobacillus die Inzidenz der Durchfälle deutlich reduziert werden (Vanderhoof JA, et al. J Pediatr 1999; 135: 564-8, siehe Grafik). Es gibt aber auch Hinweise, dass Clostridien-Colitiden durch Probiotika vermieden werden könnten.

In einer placebokontrollierten Studie an Patienten, die mit einem oralen Drittgenerations-Cephalosporin behandelt wurden, konnte durch Zufuhr von Lactobacillus- und Bifidobacterium-Stämmen die therapiebedingte Abnahme der Darmbakterien deutlich verringert werden. Verglichen mit der Placebo-Gruppe wurde Clostridium difficile in der Probiotika-Gruppe signifikant seltener nachgewiesen (Orrhage K, et al. J Antimicrob Chemother 2000; 46 (4): 603-12). Zu ähnlichen Resultaten kommen auch die Autoren einer anderen Studie, in der durch die Zufuhr von Lactobacillus auch Rezidive der Clostridien-Colitiden verringert werden konnten (Pochapin M. Am J Gastroenterolog 2000; 95 (1 Suppl.): S11-3). Ein weiterer Vorteil der Probiotika ist die hervorragende Verträglichkeit, die einen problemlosen Einsatz auch bei immunschwachen Patienten möglich macht (Ishibashi N, Yamazaki S. Am J Clin Nutr 2001; 73 (suppl): 465S-70S; Vanderhoof JA. Am J Gastroenterolog 2000; 95 (1 Suppl.): S26-7). Generell können Patienten, die mit einem Antibiotikum behandelt werden, von einem Probiotikum, wie z.B. Omniflora®, daher nur profitieren.

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