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Innere Medizin 30. Juni 2005

Monitoring von Antibiotikaresistenzen

Die weltweite Überanwendung gewisser Antibiotika ist hauptverantwortlich für die zunehmende Bedrohung durch resistente Keime. Durch ein engmaschiges Monitoring mikrobiologischer Untersuchungen und regelmäßige regionale Empfehlungen zum Gebrauch verschiedener Antibiotika soll eine Ausweitung der Resistenzsituation verhindert werden.

Zunehmende Resistenzen insbesondere von Erregern respiratorischer Infektionen gegenüber gängigen Antibiotika führten in den vergangenen Jahren nicht nur zu verstärkter Unsicherheit unter den Verantwortlichen des Gesundheitswesens, sondern auch von Ärzten und Patienten. Als Reaktion darauf schlossen sich führende internationale Organisationen zusammen, um entsprechende Positionspapiere und Strategien zur Vermeidung von bakteriellen Resistenzen und den damit verbundenen Konsequenzen, insbesondere für die Patienten, zu erarbeiten. In seltener Einigkeit kam es daher mit Ende des Jahres 2001, Anfang 2002 zu seriösen und gewichtigen Empfehlungen der wichtigsten infektiologischen Gesellschaften und der WHO.
Der Tenor dieser Empfehlungen ist immer der gleiche: Die weltweite Überanwendung gewisser Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin ist hauptverantwortlich für die zunehmende Bedrohung durch resistente Keime. Betroffen sind in erster Linie Erreger respiratorischer Infektionen, beispielsweise Penicillin- und Makrolid-resistente Pneumokokken. Lediglich ein engmaschiges Monitoring mikrobiologischer Untersuchungen und regelmäßige regionale Empfehlungen zum Gebrauch verschiedener Antibiotika können eine weitere Ausweitung der zum Teil dramatischen Resistenzsituation Einhalt gebieten. So wurde die Bedeutung regionaler, nationaler und internationaler mikrobiologischer Überwachungsstrategien sowohl von der WHO als auch von der Europäischen Union als essentiell bei der Vermeidung von bakteriellen Resistenzen gegenüber Antibiotika betont.

Erhobene Daten ermöglichen Warnungen und Empfehlungen

Das nationale Resistenzmonitoring läuft in aller Regel über die jeweiligen Verantwortlichen des Gesundheitswesens. Die entsprechenden internationalen Bemühungen wurden bis vor kurzem ausschließlich von der pharmazeutischen Industrie unterstützt. Mittlerweile wurden allerdings internationale Systeme zum Resistenzmonitoring von der WHO und der EU ins Leben gerufen. Doch was tun? Von den vorgeschlagenen Maßnahmen werden alle angesprochen, die mit Antibiotika zu tun haben: Konsumenten, Verschreiber, Vertreiber, Veterinärmediziner, Krankenhausmanager, Mikrobiologen, Verantwortliche aus dem Gesundheitswesen, die pharmazeutische Industrie und Fachgesellschaften. Als Kernstück sieht die WHO das nationale und internationale Resistenzmonitoring an, aus welchem entsprechende Empfehlungen und Warnungen hervorgehen sollen.
In diesem Zusammenhang sieht die WHO auch die Chance für konkrete Empfehlungen hinsichtlich des Einsatzes und der Lagerhaltung einzelner Antibiotika, die in einer „essential drug list“ angeführt werden. Bereits 120 Länder haben weltweit eine „essential drug list“ erstellt. Nur wenn sich alle Verantwortlichen an die „Spielregeln“ des Resistenzmonitorings und an die daraus hervorgehenden Empfehlungen halten, kann der Resistenzproblematik entsprechend begegnet werden. Die WHO sieht sich in dieser Sache als Mittler zwischen den mit dem Resistenzmonitoring beauftragten Kräften auf der einen Seite und den Gesundheitsmanagern, Ärzten und Konsumenten auf der anderen Seite. Ziel ist die Erhaltung der Wirkung lebenswichtiger Antibiotika über einen langen Zeitraum, damit ihre lebensrettende Wirkung auch für die kommenden Generationen erhalten bleibt.

(Quellen: WHO Fact Sheet Nr. 194, revised January 2002; Global White Paper on Bacterial Resistance in Community-Acquired Respiratory Tract Infections 9/2001)

Dr. Christian Woisetschläger, Ärzte Woche 8/2004

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