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Innere Medizin 30. Juni 2005

Das Sinu-bronchiale Syndrom

Wenn die Klimatisierungsfunktion der Nase wegfällt, kann es zu weitreichenden Problemen im Bereich der Atemwege kommen. Neben der Anfeuchtung der Luft auf bis zu 100 Prozent Luftfeuchtigkeit und der Reinigung von Teilchen, deren Größe 10 µm überschreitet, ist die Erwärmung der Außenluft auf Körpertemperatur eine wichtige Aufgabe, die dieses Organ zu erfüllen hat. Können diese Funktionen nicht aufrecht erhalten werden, so kommt es zur Austrocknung der Atemwege und zu entzündlichen Reaktionen der Bronchien. 

"Das Ziel einer therapeutischen Intervention sollte es daher sein, den Patienten vom ?undatmer?wieder zum ?asenatmer?zu machen", erklärt Prof. Dr. Klaus Albegger, LKH Salzburg.Genauso, wie es "empfindliche" Hauttypen gibt, hat jeder Mensch eine unterschiedlich empfindliche Schleimhaut, gleichsam in der Nase, wie auch im unteren Respirationstrakt. Eine derartige Überempfindlichkeit ist allerdings nur symptomatisch beherrschbar. 

Prophylaktisch ist die Meidung von Rauch, Staub oder entsprechender Klimatisierung möglich. Die Allergie als auslösende Ursache wird nach Ansicht Albeggers hier eher etwas überbewertet. Man könne davon ausgehen, dass lediglich 10 bis 20 Prozent der Sinusitiden allergisch bedingt sind. 

Bei Asthma ist oft auch die Nase beteiligt

Veränderungen der Nase sind bei Asthmatikern häufig zu finden. Albegger: "Der betreuende Arzt sollte daher bei Patienten mit Asthma anamnestisch erheben, ob auch Atembehinderungen im Bereich der Nase vorliegen." Diese werden ob des dramatischen Beschwerdebildes bei Asthma als "Nebensächlichkeit" oft nicht erwähnt. Eine medikamentöse oder chirurgische Behandlung der Nase kann allerdings auch die Symptomatik des Asthma verbessern. So besteht die Möglichkeit, Dosieraerosole auch über die Nase anzuwenden. Nicht nur der physiologische Ausfall der Schutzfunktion der Nase belastet die Atemwege, das in die Bronchien rinnende Sekret führt zu einer Reizung des Epithels. Es kann zur Keimbesiedelung im Respirationstrakt kommen und eitriges Exudat vom Nasenbereich in die tieferen Bereiche gelangen. Auch reflektorische Beziehungen sind bei diesem "Etagenwechsel" der Entzündung bekannt. Albegger: "Wir wissen heute, dass wir den Respirationstrakt als Einheit sehen müssen." 

Den diagnostischen Goldstandard bei chronischen Entzündungen im Nasenbereich stellt heutzutage sicherlich das coronare CT der Nebenhöhlen dar. Nur durch dieses bildgebende Verfahren können die anatomischen Strukturen entsprechend beurteilt werden. "Dennoch wird nach wie vor oft ein Nasennebenhöhlen-Übersichtsröntgen als Mittel der Wahl vorgezogen. Dessen Aussagekraft ist jedoch gering", weiß Albegger zu berichten. 

Therapiemöglichkeiten bei Rhinosinusitis

"Neben der vorderen Rhinoskopie mit dem Nasenspekulum und der hinteren mit dem Spiegel kann die genaueste Darstellung mittels Nasenendoskopie mit starrer oder flexibler Optik, die auch für Kinder geeignet ist, erfolgen", erklärt Albegger. Therapeutisch sind bei der akuten Rhinosinusitis eine antimikrobielle Chemotherapie, schleimhautabschwellende Präparate, Antiphlogistika, Wärme, Inhalationen, Mukolytika oder Kieferhöhlenspülungen indiziert. Bei chronischen Sinusitiden sollte eine gezielte Antibiogramm-gestützte Behandlung erfolgen.

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