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Innere Medizin 30. Juni 2005

Allergisch auf Katz & Co.

Tierschuppen oder Epidermis-Bestandteile sind potente Allergenträger und führen oft bei längerem und intensivem Kontakt zu Sensibilisierungen. Auch Serum, Speichel von Katzen oder Urin von Ratten oder Mäusen können Allergene enthalten. Es genügen geringste Mengen Allergen, um bei Menschen im Bereich der Atemwege allergische Reaktionen hervorzurufen. Allergische Symptome können nicht nur durch direkten Kontakt mit Tieren, sondern auch durch tierische Materialien in Kleidungsstücken, Teppichen und Matratzen entstehen. Zwischen Allergenen einzelner Tierarten besteht eine partielle Kreuzallergenität, zum Beispiel das Serum-Albumin von Ratte und Maus.

Tierische Allergene sind an relativ kleine Schwebeartikel von 2 bis 10 µm Durchmesser gebunden und sedimentieren daher nur sehr langsam, was für Eliminationsmaßnahmen zu berücksichtigen ist. Das Major-Allergen der Katze, Fel d 1, ist ein besonders potentes Allergen, es wird in den Speichel- und Talgdrüsen produziert. Veröffentlichungen der vergangenen zwei Jahre haben in Querschnittsuntersuchungen suggeriert, dass das Halten von Katzen während des ersten Lebensjahrs eventuell einen protektiven Effekt haben könnte. Allerdings gibt es viele Veröffentlichungen, die keinen protektiven Einfluss der Katzen- oder Hundehaltung auf die Manifestation von allergischen Erkrankungen bei Kleinkindern ergeben haben. 

Gesichert scheint, dass bei entsprechend allergischer Veranlagung die Sensibilisierung gegen Katzenallergene von der Höhe der Allergenexposition in den ersten zwei Lebensjahren abhängt. Auch besteht bei einer Sensibilisierung gegen Milben- und/oder Katzenallergene ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Asthma bronchiale bei Kindern. Die Beobachtung, dass Kinder von Bauern weniger oft allergisch werden als Kinder, die nicht auf einem Bauernhof aufwachsen, scheint vor allem vom frühen, vielleicht schon intrauterinen Kontakt zu Ausscheidungsprodukten von Vieh und zu den Stallungen abzuhängen. Der Kontakt zu hohen Konzentrationen von Endotoxinen und Lipopolysacchariden (LPS) aus gramnegativen Bakterien scheint einen gewissen Schutz zu bewirken. In der Haus-tierhaltung scheinen diese protektiven LPS-Konzentrationen nicht erreicht zu werden. Eine hohe Endotoxinexposition ist bei Personen mit manifestem Asthma bronchiale der Entzündungsreaktion und dem Fortschreiten der Erkrankung eher förderlich.

Anaphylaktischer Schock 

Vorgehensweise beim allergischen Notfall

Definition:

Schock infolge schwerer, generalisierter Antigen-Antikörper-Reaktion vom Soforttyp, die durch Medikamente (Antibiotika, Lokalanästhetika, Jodide, Acetylsalicylsäure) oder Fremdeiweiß und Polysaccharide (Insekten- oder Schlangengift, Seren, Vakzine, Organextrakte, Allergenlösungen zur Desensibilisierung) hervorgerufen wird und zur Freisetzung vasoaktiver Substanzen (Histamin, Serotonin, Bradykinin) führt. Infolgedessen kommt es zu akuter Dilatation besonders der venösen Gefäßstrombahn und - durch Veränderung der Gefäßpermeabilität - zu zusätzlichem Plasmaverlust.

Man unterscheidet im Allgemeinen vier Schweregrade:

  1. Hautreaktionen (Flush, Erythem, Urtikaria, Ödem),
    Allgemeinsymptome (Juckreiz, Unruhe, Schwindel, Kopfschmerz, Tremor) 
  2. Hämodynamische Reaktionen (Tachykardie, Blutdruckfall) 
    Gastrointestinale Zeichen (Übelkeit, Erbrechen, 
    Durchfall) 
  3. Schocksymptome Bewusstseinsstörung Bronchospasmus 
  4. Kreislauf- und Atemstillstand 

Sofortmaßnahmen 

  • Antigen absetzen, 
  • Flachlagerung,
  • Antihistaminika (bei Stadium I),
  • Volumengabe (bei Stadium II - IV) 
  • Adrenalin: Suprarenin-Amp. = 1 mg auf 10 ml verdünnen, davon 1 ml = 0,1 mg initial i.v. oder 2 ml = 0,2 mg endotracheal (bei Stadium III - IV), gefolgt von - falls erforderlich - weiteren Bolusgaben derselben Dosis, 
  • Kortison i.v.: 100 - 1000 mg (bei Stadium II - III). 
    Man bedenke jedoch, dass der Wirkeintritt von Kortison etwa 30 - 40 Minuten benötigt. Unbedingt indiziert ist die Gabe von Kortison bei Haut- und Schleimhautödem. 
  • Sicherstellung der Ventilation, evtl. Bronchospasmolyse (Dosieraerosol, Theophyllin: 240 mg i.v. (= 1 Ampulle). 
  • bei Kreislaufstillstand: Reanimation nach der ABCD-Regel: 
    A Atemwege freimachen
    B Beatmen
    C Circulation 
    D Drugs 

Quelle: Notfallmedizin, Maudrich-Verlag

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