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Innere Medizin 30. Juni 2005

Friseure, Bäcker: Allergie am Arbeitsplatz

Aktuelle Studien weisen in der letzten Zeit auf eine Zunahme an Allergien hin. Auch im Berufsleben treten sie immer häufiger auf. Gerade junge Berufsstarter sind häufig von allergischen Reaktionen an ihrem Arbeitsplatz betroffen. Beruflich bedingte Allergien äußern sich meist als Kontaktallergien oder Asthma-Erkrankungen. Mehr als 5.000 Fälle von Bäcker-asthma und weitere 5.000 Fälle allergischer Hauterkrankungen im Friseurhandwerk werden jährlich gemeldet. Die entstehenden psychischen Belastungen können sich wiederum negativ auf den Verlauf der allergischen Erkrankung auswirken.

Am häufigsten sind allergische Reaktionen zu beobachten in Bäckerei- und Friseurbetrieben, in Tischlereien, in der Metallverarbeitungsbranche, in der chemischen Industrie und auch im Gesundheitsbereich. Bereits im Vorfeld der Berufswahl gilt es herauszufinden, mit welchen allergieauslösenden Stoffen am zukünftigen Arbeitsplatz zu rechnen ist. Eine Beratung zum Aspekt Berufswahl und Allergien findet in der Schule aber leider selten statt. 

Schutzmaßnahmen könnten das Risiko senken

Prinzipiell könnten Schutzmaßnahmen das Allergierisiko senken. Und in den gesetzlichen Regelungen sind diese teils auch vorgeschrieben. Die Umsetzung in der Praxis läuft dennoch manchmal schwierig, wie das Beispiel des Frieseurbereichs zeigt: Eine Schutzmaßnahme wäre, Handschuhe tragen. Dies geschieht jedoch selten, da sich die Friseure entweder gehandicapt fühlen oder weil Kunden ständig fragen, ob sie eine Hautkrankheit haben. Untersuchungen zeigten, dass oft erst dann auf Schutzhandschuhe zurückgegriffen wird, wenn bereits ein Ekzem besteht. 

Gerade die ständigen Feuchtarbeiten greifen die epidermiale Barrierefunktion der Haut an. Kommt es dann zu einer Penetration mit potentiellen Allergenen, sind eine Sensibilisierung und anschließend ein Handekzem schnell erreicht. 
Studien belegten eindeutig, dass Personen mit einer anlagebedingten Minderbelastbarkeit der Haut, wie zum Beispiel mit atopischer Hautdisposition, nicht nur zahlenmäßig häufiger erkranken, sondern auch schwerer und früher.

Als präventive Maßnahme am Beispiel Friseur könnte der Arbeitgeber verpflichtet werden, sein Personal so einzuteilen, dass es zu einem ständigen Wechsel aller Beschäftigten zwischen Feucht- und Trockenarbeiten kommt. Fix vorgeschrieben werden könnte, dass alle Mitarbeiter Schutzhandschuhe tragen müssen. Zwei aktuelle Studien, die gerade im "Journal of Occupational Health Psychology" veröffentlicht wurden, zeigen leider, dass Sicherheitsvorkehrungen aus Angst vor Kündigung selten getroffen werden. Allergieexperten raten, besonders Berufseinsteiger gründlich zu informieren und gleichzeitig immer wieder Informationskampagnen für Arbeitsbereiche mit hohem Allergierisiko zu starten. Sichergestellt werden muss vor allem auch die Früherkennung allergischer Reaktionen. Hier liegt die Verantwortung beim Arbeitsmediziner, aber ebenso beim Hausarzt, der dieses Thema immer wieder ansprechen sollte, gerade wenn es zu "unerklärbaren" Atemwegserkrankungen oder häufigen Ekzemen kommt.

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