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Innere Medizin 30. Juni 2005

Wenn die Haut allergisch reagiert

Die Häufigkeit der atopischen Dermatitis hat in den vergangenen 20 Jahren zugenommen. "Eine der Theorien über das Ansteigen der Prävalenz ist, dass wir viel zu sauber leben", erklärt Prof. Dr. Norbert Sepp, Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Innsbruck. Denn einerseits entwöhnen wir unser Immunsystem von natürlichen Antigenen, auf der anderen Seite nimmt die Verwendung von Waschmitteln und Seifen in der modernen zivilisierten Welt ständig zu. Das "Kind in der Sandkiste" hat hingegen die Möglichkeit, eine gute Abwehr zu entwickeln. Neuere Erkenntnisse weisen auf die immunologische Genese hin: Neben der Vererbung (chromosomale Region 5q31 und 11q13) spielt eine besondere Form der T-Helferzellen, so genannte Th2 mit eigenen Zytosekretinmuster, eine tragende Rolle. 

Hinweise auf eine immunologische Genese

Diese reagieren mit den Langerhanszellen, den Antigen-präsentierenden Zellen der Haut, wodurch es zu einer sich aufschaukelnden IgE-verstärkten Immunreaktion kommt. Dies erklärt zudem, warum viele Patienten mit atopischem Ekzem auf inhalative Allergene reagieren. Krankheitswert besitzen beim atopischen Ekzem nicht nur die Hautveränderungen - das für die Betroffenen oft belastendste Symptom ist der quälende Juckreiz, der zu Schlaflosigkeit und einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führen kann. 

Die Krankheit kann zwar in jedem Lebensalter auftreten, beginnt aber bei den meisten Betroffenen schon im Säuglings- oder Kindesalter. Während bei Säuglingen bevorzugt das Gesicht und die Streckseiten der Extremitäten betroffen sind, ist bei älteren Patienten die Lokalisation an den Beugeseiten, vor allem in den großen Gelenksbeugen, charakteristisch. Ähnlich wie bei anderen atopischen Erkrankungen besteht beim atopischen Ekzem eine familiäre Disposition. Die Prävalenz bei Kindern liegt hier etwa zwischen 10 und 15 Prozent. "Ein Kind, das die ersten sechs Monate gestillt wurde, entwickelt anfangs seltener eine atopische Dermatitis. Dieser Vorteil verschwindet allerdings nach dem 18. Lebensmonat", so Sepp.

Den ersten Hinweis auf die Erkrankung liefert die Familienanamnese: "Die Atopie - die genetische Bereitschaft auf eine exogene Substanz überschießend zu reagieren - wird an die Nachkommen weitergegeben", so der Dermatologe. Leiden etwa beide Elternteile an Asthma oder atopischer Dermatitis, so liegt die Wahrscheinlichkeit für das Kind, meist im Säuglingsalter eine atopische Dermatitis zu bekommen, bei 80 Prozent.  Ist nur ein Elternteil betroffen, so beträgt dieses Risiko immerhin noch 60 Prozent. 

Drei therapeutische Säulen

"Oft wird im Kleinkindesalter eine Prick-Testung durchgeführt - eine Methode, die die wenigsten Kinder tolerieren. Auch wird gelegentlich versucht, einen RAST zu bestimmen, um Hinweise auf bestimmte Allergene zu bekommen. Aufgrund der überschießenden IgE-Antwort ist die Aussagekraft jedoch klinisch praktisch null. Das kindliche Immunsystem ist erst zum 4. Lebensjahr völlig ausgereift", erklärt Sepp.  Die drei Grundsäulen der Therapie der atopischen Dermatitis sind Prophylaxe, Pflegemaßnahmen und antientzündliche Substanzen. 

Sepp: "Man weiß heute viel über die immunologischen Vorgänge, die der atopischen Dermatitis zugrunde liegen: In vergangenen 30 Jahren wurden in erster Linie topische Kortikosteroide verabreicht. Neu ist das nichtsteroidale FK506 Tacrolimus, ein lokal verabreichbares Makrolid, das immunsuppressive Eigenschaften besitzt. Auch das Makrolidantibiotikum Ascomycin kommt vermehrt zum Einsatz." Potente Fremdallergene sollten natürlich vermieden werden. Als systemische Therapien eignen sich die Behandlung mit Cyclosporin A sowie eine Lichtbestrahlung mit UVA1 und UVB. Hiermit sind gute Effekte zu erzielen, der Einsatz sollte jedoch wohldosiert erfolgen. Etwa sieben Bestrahlungen im Zeitraum von zwei Wochen sind effizient, auch um Kortison einzusparen.

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