zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 10. April 2006

Allergie - medizinhistorisch betrachtet

Das Wort "Allergie", abgeleitet aus den beiden griechischen Worten "allos" für anders und "ergon" für Werk, beschreibt eine überschießende Reaktion auf eine an sich harmlose Substanz. Seit dem Altertum gibt es bereits Berichte über Unverträglichkeitsreaktionen. Den medizinischen Begriff "Allergie" (geprägt vom Wiener Kinderarzt Clemens von Pirquet) gibt es erst seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts.

In der antiken Medizin war schon bekannt, dass bestimmte Nahrungsmittel bei einzelnen Menschen sonderbare Reaktionen auslösten. Man nannte dies "Idiosynkrasie" und verstand darunter eine dem Individuum eigene, nicht krankhafte "Säftemischung".  Hippokrates (460-377 v. Chr.) gebrauchte bereits den Begriff "Asthma" für allergische Krankheitszustände, die mit Atemnot einhergingen. Außerdem berichtete er mehrfach darüber, dass Kuhmilch eine Urtikaria hervorrufen kann.  Ab dem 15. Jahrhundert beschäftigten sich die europäischen Ärzte intensiv mit dem damals schon sehr häufig vorkommenden Heuschnupfen. Auch die häufigen Unverträglichkeiten von Tierhaaren und -federn waren schon früh bekannt.

Anfang des 20. Jahrhunderts beobachteten die französischen Forscher Charles Richet und Paul Portier zufällig die anaphylaktische Reaktion, die bekanntlich bis zum anaphylaktischen Schock führen kann - eine wegweisende Entdeckung in der Allergieforschung. Im vergangenen Jahrhundert wurde durch den britischen Physiologen Henry Hallet Dale auch die Bedeutung des Histamins für die allergische Reaktion erkannt. 

Ein japanisches Ärzte-Ehepaar und der amerikanische Mediziner Johansson erforschten Mitte der 60er-Jahre unabhängig voneinander, dass Antikörper der Immunglobulinklasse E in Verbindung mit dem jeweiligen Allergen zu allergischen Reaktionen vom Soforttyp führen. Seit etwa 20 Jahren ist es nun möglich, die einzelnen Allergene zu charakterisieren und den Bauplan ihrer DNA festzustellen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben