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Innere Medizin 10. April 2006

Allergisches Asthma bronchiale

In der warmen Jahres- und Blütezeit, die uns nun bevorsteht, wird die Anzahl der Asthmapatienten in den Ordinationen und Ambulanzen schlagartig zunehmen. Bei sensibilisierten Patienten kommt es zu einer starken Verschlechterung der Lungenfunktion, die Symptomatik kann sich von verstärkter Hustenneigung bis hin zur Atemnot erstrecken. Die ÄRZTE WOCHE sprach mit Doz. Dr. Rolf Pohl, 2. Medizinische Abteilung des Wilhelminenspitals, Wien, über die pulmologischen Aspekte der Allergie.

Wie kann die Diagnose eines "allergischen Asthma bronchiale" gestellt werden?

Pohl: Diagnostisch steht natürlich die gründliche Anamnese an vorderster Stelle, um über eine etwaige saisonale Abhängigkeit des Beschwerdebildes Bescheid zu wissen. Auch die Familienanamnese gibt Hinweise auf eine mögliche Prädisposition. Als unumgängliches diagnostisches Mittel ist die Prüfung der Lungenfunktion zu nennen. Ohne sie kann die Erkrankung nicht befriedigend abgeklärt werden. Sie stellt die Basis der Funktionsdiagnostik dar und kann auch als Erfolgskontrolle therapeutischer Interventionen herangezogen werden. Schließlich können allergologische Haut- und Bluttests Aufschluss über die Art der Überempfindlichkeit geben. 

Kann man voraussagen, welche Patienten gefährdet sind?

Pohl: Eine bronchiale Überempfindlichkeit muss sich nicht unbedingt klinisch äußern, die Patienten reagieren jedoch früher als andere mit Bronchokonstriktion. Mittels Provokationstests durch Histamin oder Metacholin kann eine Prädisposition für allergisches Asthma festgestellt werden. Um die Auswirkungen der Umweltbedingungen auf den Patienten erfassen zu können, kann eine Peakflowmetrie in Selbsttestung durch den Betroffenen in seinem speziellen Umfeld erfolgen, um das Beschwerdebild zu objektivieren und entsprechende Hinweise auf die Art der Allergie zu erhalten. Diese Messung kann jedoch eine Lungenfunktionstestung nicht ersetzen. 

Welche Behandlungsoptionen stehen zur Zeit zur Verfügung?

Pohl: Therapeutisch ist in erster Linie die Expositions-Vermeidung zu nennen. Diese prophylaktische Maßnahme kann etwa bei Tierhaarallergie leichter umgesetzt werden als bei Pollenallergikern, die man in der Blütezeit ja nicht unter einen Glassturz stellen kann. Als Notfallmedikation sollte vom Patienten in jedem Fall ein rasch wirksames Beta2-Mimetikum mitgeführt werden. Basistherapeutisch sind bei allergischem Asthma nach wie vor inhalative Kortikosteroide als Goldstandard zu sehen. Sie greifen limitierend direkt in den Entzündungsprozess ein. 

Nichtsteroidale Substanzen, wie Leukotrien-Antagonisten, stellen eine große Bereicherung dar. Vor allem aufgrund der Ängste, die Patienten mit Kortison verbinden, halten wir hier eine wertvolle Alternative in Händen. Die LT-Antagonisten können als Add-on-Therapie zu den Steroiden kombiniert werden, bevor die Kortisondosis erhöht wird. In einigen Ländern wird mittlerweile sogar auf eine Monotherapie bei mildem Asthma zurückgegriffen. 

Wie ist der Stellenwert der Antihistaminika zu bewerten?

Pohl: Antihistaminika sind zur symptomatischen Therapie geeignet, haben jedoch nicht die "semi-kausale" Wirkung, wie etwa Kortison. Der Sinn der therapeutischen Eingriffe ist es, die Entzündungsreaktion zu unterdrücken und den Verlauf des Asthma kontrollierbarer zu machen. Eine Heilung kann man mit diesen Mitteln allerdings nicht bewirken. Ein Patient, der regelmäßig seine Präparate einnimmt, hat jedoch ein weitaus geringeres Risiko, einen asthmatischen Anfall zu erleiden. Das Fortschreiten der Erkrankung kann hintangehalten werden. 

Welche Behandlungsmöglichkeiten könnten sich in Zukunft ergeben?

Pohl: Wünschenswert wären prophylaktische Therapien, die uns möglicherweise bald durch gentechnologische Maßnahmen zur Verfügung stehen werden. Zur Zeit kann man mittels Desensibilisierung in manchen Bereichen einen derartigen Effekt erzielen.

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