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Innere Medizin 7. Juli 2005

Rhinokonjunktivitis: Keine Bagatellerkrankung

Die allergische Rhinokonjunktivitis gilt heute nicht mehr als Bagatellerkrankung - einerseits, weil sie selbst die Lebensqualität der Betroffenen deutlich einschränken kann, andererseits wegen des Risikos der Patienten, im Verlauf der Erkrankung weitere allergische Erkrankungen zu entwickeln. Diesem Risiko wurde auch in den aktuellen WHO-Richtlinien ARIA (Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma) Rechnung getragen. 

Vor allem bei der Rhinitis und beim Asthma wurden in jüngster Zeit enge Zusammenhänge deutlich: So ist zum Beispiel bei den meisten Patienten mit saisonaler allergischer Rhinitis während der Pollensaison auch eine bronchiale Hyperreagibilität nachweisbar. Strukturelle Veränderungen an den Bronchien, etwa eine Verdickung der Basalmembran, findet man bei diesen Patienten selbst dann, wenn sie klinisch kein Asthma haben. Nach epidemiologischen Daten haben bis zu 80 Prozent der Asthmatiker eine allergische Rhinitis und 40 Prozent der Patienten mit allergischer Rhinitis auch Asthma.

Mehrere Untersuchungen haben mittlerweile belegt, dass eine adäquate Rhinitistherapie das Risiko für die Entwicklung von Asthma senken kann. In der PAT-Studie (Preventive Allergy Treatment) wurde bei Kindern mit saisonaler allergischer Rhinitis auf Gräser- oder Birkenpollen durch eine spezifische Immuntherapie über drei Jahre das Risiko für Asthma um den Faktor 2,5 (odds ratio) gesenkt. Ähnliche Ergebnisse, allerdings bei Kindern mit atopischem Ekzem, lieferte die ETAC-Studie (Early Treatment of the Atopic Child): Durch eine 18-monatige Therapie mit Cetirizin wurde das Asthmarisiko um fast 50 Prozent vermindert.

Für die Therapie wird in dem WHO-Papier ein Stufenschema vorgeschlagen. Außer Allergenmeidung und Erwägung einer spezifischen Immuntherapie wird die Notwendigkeit der symptomatischen Therapie betont. Abhängig vom Schweregrad sollen dabei vor allem orale und topische Antihistaminika sowie topische Steroide verwendet werden. Abschwellende topische Substanzen sollen nur kurzfristig gegeben werden. Erstmals wird in den Empfehlungen auch auf die Möglichkeit einer Therapie mit oralen Antileukotrienen hingewiesen. Sie haben zwar im Therapieschema noch keinen festen Platz, doch wird betont, dass mit ihnen die Entzündung an mehreren Manifestationsorten gleichzeitig beeinflusst werden können.

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