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Innere Medizin 30. Juni 2005

Spezifische Immuntherapie beim Kind

Die langfristige spezifische Immuntherapie (SIT) wirkt im Kindesalter besonders gut. Doch auch hier ist eine genaue Indikationsstellung wesentlich.

„Zu unwirksam, zu gefährlich, zu aufwändig für den Patienten, zu selektiv, zu wenig präventiv, zu schwierig für den Arzt, zu wenig untersucht bei allergischem Asthma, zu wenig verstanden in der Wirkweise, zu leicht durch andere Therapien zu ersetzen, zu teuer – dies sind immer noch die zehn häufigsten Vorurteile gegenüber der spezifischen Immuntherapie“ sagte Dr. F. Friedrichs aus Aachen auf der 100. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde in Berlin Mitte September. „Und das, obwohl diese Therapie erstmals vor 100 Jahren erprobt wurde und inzwischen an der wissenschaftlichen Evidenz für die Wirksamkeit der subkutanen Hyposensibilisierung nicht mehr gezweifelt werden kann.“ Immer noch hafte diesem Verfahren der Geruch einer eher experimentellen Therapie an, bedauerte Friedrichs: „Vor 40 Jahren erschienen die ersten Doppelblindstudien zur Spezifischen Immuntherapie. Zahlreiche weitere Studien, bis hin zur WHO, die von einer ,therapeutic vaccines for allergic disease´ spricht, folgten seither.“

SIT ist studienbelegt wirksam

Die SIT sei eindeutig wirksam, betonte Friedrichs: „Studien zur Dosis-Wirkungsbeziehung belegen den Effekt einer mindestens dreijährigen, perennialen subkutanen SIT – und dieser Effekt hält im Gegensatz zur medikamentösen Therapie auch nach Beendigung der Therapie an.“ Auch für Dr. B. Niggemann von der Pädiatrischen Universitätsklinik Charité, Berlin, hat sich die SIT zu einem wichtigen Baustein der Therapie allergischer Erkrankungen gemausert: „Verschiedene Gründe sprechen dafür, dass eine SIT bereits im Kindesalter nicht nur indiziert, sondern besonders vielversprechend ist. Entscheidend für den Erfolg ist eine genaue Indikationsstellung.“ Selbstverständlich müsse das Allergen wesentlich zur Symptomatik des Kindes beitragen.

Auch vorbeugende Wirkung

„Neben therapeutischen Aspekten sind für die SIT auch präventive Wirkungen in Hinblick auf eine Verhinderung des ,Etagenwechsels’ und der Ausbreitung von neuen Sensibilisierungen nachgewiesen worden“, wusste Niggemann. Aus psychologischen Gründen sollte die Therapie ab dem sechsten Lebensjahr begonnen werden, in der Regel ganzjährig, um dem Prinzip der kumulativen Allergen-Gesamt-Dosis zu entsprechen. Impfungen sollten während der Therapie zwischen zwei SIT-Injektionen gegeben werden. Folgende Therapieziele gelte es durch die bei Kindern angewandte SIT zu erreichen:

  • mögliche Neusensibilisierungen präventiv zu verhindern
  • in den natürlichen Krankheitsverlauf einzugreifen, indem bei Kindern und Jugendlichen mit saisonaler allergischer Rhinitis das Entstehen von Asthma bronchiale verhindert werden kann
  • Patienten vor einem anaphylaktischen Schock zu bewahren
  • Indikation stellt sich auch bei den zunehmend häufiger auftretenden IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen wie etwa die saisonale allergische Rhinokonjunktivitis oder auch das allergische Asthma bronchiale.

Dr. Karin Reischl, Ärzte Woche 40/2004

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