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HNO 7. Juli 2005

Eosinophile Ösophagitis ist selten

Immer wieder gibt es in der Praxis Patienten, bei denen sich die Diagnose nur mit viel differenzialdiagnostischem Gespür stellen lässt. Das ist oft dann der Fall, wenn eine seltene Erkrankung vorliegt, und diese zu allem Übel keine auffälligen, krankheitsspezifischen Symptome verursacht. Ein Beispiel dafür ist die eosinophile Ösophagitis, für die eine Immun-Fehlregulation oder Allergie-Genese diskutiert wird.

Die oft mit einer allergischen Erkrankung, etwa Asthma, assoziierte Ösophagitis-Form ist erstmals 1978 beschrieben worden und hat lange Zeit als Erkrankung des Kindesalters gegolten. Inzwischen wird eine zunehmende Prävalenz bei Erwachsenen beobachtet. Wie viele Patienten mit eosinophiler Ösophagitis es gibt, ist unklar. Da die Erkrankung relativ unbekannt ist, gibt es vermutlich eine hohe Dunkelziffer. Häufig haben die Patienten Dysphagien für feste Speisen Patienten mit eosinophiler Ösophagitis fallen meist durch eine Dysphagie für feste Speisen auf. Sie haben das Gefühl, dass Fleisch und Brot stecken bleiben. Manche leiden auch unter typischen Reflux-Beschwerden wie Sodbrennen und oft wird zunächst eine Reflux-Krankheit diagnostiziert. Spätestens dann, wenn die Patienten aber nicht auf die Standardtherapie mit einem Protonenpumpenhemmer (PPI) ansprechen, sollte differenzialdiagnostisch immer auch an eine eosinophile Ösophagitis gedacht werden.

Die Diagnose einer eosinophilen Ösophagitis wird in der Regel erst bei einer zweiten Endoskopie histologisch gestellt, eben etwa dann, wenn Patienten mit Reflux-Symptomen, unauffälligem Ösophagus und deshalb vermeintlich Endoskopie-negativer Refluxkrankheit (NERD) nicht auf PPI angesprochen haben. Beweisend sind dichte eosinophile Infiltrate; endoskopisch finden sich, wenn auch selten, stenosierende Ringbildungen sowie eine Wandstarre des Ösophagus als vermutliche Ursachen der Dysphagie. Ein erhöhtes Krebsrisiko konnte bei eosinophiler Ösophagitis bisher nicht beobachtet werden. Bei eosinophilen Infiltraten sollte differentialdiagnostisch auch an eine sekundäre, eosinophile Ösophagitis etwa aufgrund toxischer Arzneimittel-Effekte, parasitärer Infektionen oder maligner Tumore gedacht werden. Diese Erkrankungen lassen sich aber bei den meist jüngeren Patienten mit eosinophiler Ösophagitis leicht ausschließen.

Therapie der Wahl: Orale Kortikosteroide

Therapie bei eosinophiler Ösophagitis sind orale Steroide, wobei bei noch fehlenden gesicherten Empfehlungen mit täglich 20 mg Prednisolon begonnen werden kann. Typischerweise sprechen Patienten mit eosinophiler Ösophagitis nur auf Steroide an. Da etwa 50 Prozent der Patienten mit eosinophiler Ösphagitis gleichzeitig an einer allergischen Erkrankung leiden, häufig ist es eine Nahrungsmittel-Allergie, werde vielen Patienten auch empfohlen, auf unverträgliche Speisen zu verzichten. Auch inhalierte Allergene, wie Pollen, können saisonal die Reflux-Symptome bei eosinophiler Ösophagitis verstärken, wie US-Forscher kürzlich berichtet haben.

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