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Innere Medizin 30. Juni 2005

Atopiker juckt es im Frühling besonders

Das „Atopic Syndrom“ bezeichnet eine genetisch determinierte Bereitschaft, gegen bestimmte exo- oder endogene Substanzen sensibilisiert zu werden.

„In Familienanamnesen und Zwillingsforschungen findet man zahlreiche Hinweise auf die genetische Komponente der Atopie: 75 Prozent der Kinder atopischer Eltern erkranken ebenfalls“, erklärt Prof. Dr. Klemens Rappersberger, Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien. Zu den ersten klinischen Manifestationen gehört – meist im ersten Lebensjahr – das Auftreten von Säuglingsekzem (Milchschorf) an Gesicht, Kopf und im Windelbereich. Etwas seltener ist die zusätzliche Lokalisation in den Beugen (Ekzema flexuarum), an Schultern, Hand- und Fußrücken. Allen Formen gemeinsam ist der quälende Juckreiz.

Zusätzliche Manifestationen stellen Rhinokonjunktivitis, Pollinose und Asthma bronchiale dar, oft begleitet von Cheilosis, Vertiefung der Hautlinien oder Dishydrosis lamellosa sicca. Die Hautsymptome verschlechtern sich meist im Herbst und im Winter. Buben sind häufiger von der Erkrankung betroffen als Mädchen. Selten kommt es erst im Erwachsenenalter zum Krankheitsausbruch, diese Form wird als „adult onset“ bezeichnet. Auch hier ist der Verlauf chronisch rezidivierend. Beweisend für AD sind auch ein positiver Pricktest, intrakutaner weißer Dermographismus und erhöhte IgE-Werte.

Molekulargenetische Aspekte

„Die Expression des hochaffinen IgE-Rezeptors durch Monozyten und Langerhanszellen ist bei bestehenden Polymorphismen für Interleukin 12 und 13 erhöht. Molekulargenetisch liegen die Suszebilitätsloci auf den Chromosomen 3, 13, 15, 17 und 18“, weiß Rappersberger. Um schwere endogene Krankheitsschübe – womöglich mit bakterieller oder viraler Superinfektion - zu vermeiden, müssen rechtzeitig eine Reihe von Präventionsmaßnahmen ergriffen werden. Dazu gehört neben hypoallerger Ernährung (Restriktionsdiäten) auch die Reduktion oder, besser noch, die Expositionvermeidung gegenüber inhalativen Allergenen wie Hausstaubmilben oder Tierepithelien. Auch auf richtige Kleidung, Hautpflege und Stressarmut soll immer geachtet werden. „Therapeutisch stehen antiinflammatorisch und antipruriginös Tacrolimus und Pimecrolimus im Vordergrund. Bisher wurden auch bei Langzeitanwendung keinerlei Nebenwirkungen gefunden“, betont der spezialisierte Dermatologe. Das therapeutische Spektrum umfasst des Weiteren die UV-Behandlung, topische Kortisonpräparate und Antihistaminika. Hier unverzichtbar ist die interdiziplinäre Kooperation als Grundvoraussetzung optimaler Patientenbetreuung.

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