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Innere Medizin 30. Juni 2005

Multiple Chemische Sensitivität bei 5-Jährigen

Oft ist zu lesen, dass die Multiple Chemische Sensitivität (MCS) vor allem bei Frauen mittleren Alters und mit höherer Bildung auftritt. Sie kann aber auch Kinder betreffen, wie Dr. Alan Woolf von der Umweltmedizinischen Abteilung des Bostoner Kinderkrankenhauses in der Zeitschrift "Environmental Health Perspectives" berichtete (108, 2000, 1219-1223).

Die knapp 5-Jährige MCS-Patientin hatte als Kleinkind unter einer Allergie auf Milch und einem dadurch verursachten Wachstumsrückstand gelitten. Später diagnostizierte der das Mädchen betreuende Kinderarzt Asthma, Allergien und Sinusitis und verschrieb entsprechende Medikamente.

Woolf: "Nach Angaben der Mutter reagierte die Patientin zuletzt aber immer stärker auf Reinigungs- und Waschmittel, Ausdünstungen von Farben und Lacken, Zigarettenrauch und Staub. An Symptomen traten dabei vor allem Juckreiz, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Übelkeit und Atembeschwerden auf."

Um diese Reaktionen zu vermeiden, nahm die Mutter das Kind beispielsweise nicht mehr in Geschäfte, in denen Desinfektionsmittel verwendet wurden, mit. Das Mädchen hielt eine bestimmte (Rotations-)Diät ein, da sie auf Meeresfrüchte, Lebensmittel mit Konservierungsstoffen, Zitrusfrüchte und Fleisch allergisch war, und trug nur Gewand aus reiner Baumwolle. Weiters wurde das Kind auf Empfehlung eines Naturheilers mit verschiedenen Kräuterpräparaten behandelt.

Symptom-Tagebuch

Bei der Untersuchung im Bostoner Kinderspital zeigten sich außer einer Schwellung und Rötung der Nasenmuscheln keine Auffälligkeiten. Woolf empfahl den Eltern unter anderem, ein Symptom-Tagebuch zu führen sowie Kontakt mit dem Kindergarten aufzunehmen, um eine Exposition der Patientin etwa gegenüber Desinfektionsmitteln zu vermeiden. "Generell bergen Vermeidungsstrategien aber große Gefahren in sich", erklärte Woolf. "Die Kinder geraten in eine soziale Isolation".

Weiters wurde mit der Familie über die therapeutische Bedeutung von Biofeedback sowie entsprechender Coping-Strategien diskutiert. Bei Behandlungsversuchen mit radikalen Diäten, Kräutern, Vitaminen, etc. bestehe die Gefahr, dem Kind zu schaden, so der Experte. Wichtig sei bei solchen Fällen auch die Beschäftigung mit der Familiendynamik. "Dabei sollte man auch an die Möglichkeit eines Münchhausen-Stellvertreter-Syndroms (Münchhausen by proxy) denken", so Woolf.

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