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Innere Medizin 7. Juli 2005

Allergisch gegen die neuen Euro-Münzen?

"Giftiger Euro", titelte die Zeitschrift Öko-Test kurz vor Jahreswechsel. Und die Bild-Zeitung berichtet von der ersten "akuten Euro-Allergie" einer deutschen Warenhaus-Angestellten. Verkäuferinnen oder Kassiererinnen mit Handschuhen sieht man immer wieder. Sie leiden vermutlich unter einer hochgradigen Nickel-Allergie. Für sie ist das ein gravierendes Problem, denn 75 Prozent der europäischen Münzen enthielten bisher zu 25 Prozent Nickel. In Deutschland betraf das die 50-Pfennig-, Ein-, Zwei- und Fünfmarkstücke. Gerade für betroffene Verkäufer oder Bankangestellte wäre es daher aus allergologischer Sicht wünschenswert gewesen, auf Nickel in Euro-Münzen ganz zu verzichten, so eine Sprecherin des ÄDA und der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI).

Nickelfreisetzung wie in alten Münzen

Immerhin scheinen die Währungsplaner sich des Problems bewusst gewesen zu sein. So heißt es bereits 1998 in einer Verordnung: "Es scheint wünschenswert, den Nickelgehalt der Münzen zu verringern." Dies sei auch geschehen, argumentiert die Bundesbank, denn nur noch die Ein- und Zwei-Euro-Münzen enthielten Nickelreste und das nicht an der Münzoberfläche.
Die Nickelfreisetzung ist allerdings genauso groß wie bei den alten Münzen, wie eine schwedische Untersuchung ergeben hat. Danach setzen benutzte schwedische Kronen und britische Pence-Stücke bei Lagerung in künstlichem Schweiß pro Woche 45 µg/cm2 Nickel frei, unbenutzte Ein- und Zwei-Euro-Münzen 23 bis 65 µg/cm2 (Contact Dermatitis 44, 2001, 160). Nach einer Untersuchung der Zeitschrift "Öko-Test" geben die neuen Münzen 50-mal mehr Nickel ab, als es für Modeschmuck erlaubt ist. Allerdings müsse dieser Wert noch durch zehn geteilt werden, um Messschwankungen auszugleichen. Von "hypoallergenem Geld", wie die Bundesbank die Euro-Münzen bezeichnet, kann man demnach nicht sprechen.

Doch selbst wenn eine Allergie vorliegt, muss der Kontakt mit Nickel-haltigem Geld noch nicht zu einem Ekzem oder gar zu Ganzkörper-Reaktionen führen. Dafür sei in der Regel ein kontinuierlicher Kontakt nötig, wie es etwa bei Jeansknöpfen, Reißverschlüssen oder Modeschmuck vorkommt, so Privatdozent Dr. Jörg Klein-Tebbe aus Berlin von der DGAI. In der Regel resultiere erst daraus der meist lokal begrenzte Hautausschlag.

Risiko überschätzt

Dass Nickel-haltige Münzen eine Allergie auslösen können, hält Klein-Tebbe für ziemlich unwahrscheinlich. Vielmehr sei vorher eine Sensibilisierung nötig, etwa durch Ohrlochstecker. So liegt die Sensibilisierungsrate nach Angaben des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken (IV DK) bei Frauen mit etwa 17 Prozent deutlich höher als bei Männern mit etwa drei Prozent.
Insgesamt werde die Bedeutung des Geldes für die Nickel-Allergie überschätzt, sagt Klein-Tebbe. Abgesehen vom Modeschmuck enthalten auch andere Gegenstände das Metall und können sensibilisierend wirken, etwa Armbanduhren, Werkzeuge oder Kochtöpfe. Außerdem gebe es bei Kassierern keine erhöhte Sensibilisierungsrate, so Privatdozent Dr. Axel Schnuch von der IVDK. Dagegen sei sie bei Verkäufern, Postbeamten oder Galvanisierern erhöht. Offenbar gibt es in diesen Berufen eine andere Nickelbelastung als durch Münzen.

ÄZ/Thomas Meissner, Ärzte Woche 3/2002

  • Frau Gabriele John, 03.09.2011 um 19:39:

    „Zu den Euro-Münzen fällt mir nur folgendes ein:

    Eine absolute Schweinerei ist das!

    Richtlinien werden von der Europäischen Union erlassen und nicht eingehalten!

    Ich habe täglich mit den Euro-Münzen zu tun und aufgrund meiner Nickel-Allergie seit Einführung der Münzen nur noch stark geschwollene aufgrerissene Hände.
    Die unvorstellbaren Schmerzen rauben mir die Lebensqualität und den allnächtlichen Schlaf.

    Handschuhe, starke Medikamente und Cortison-Cremes, etc. helfen nicht, da ich den täglichen Umgang beruflich nicht vermeiden kann.

    Das ist Körperverletzung mit schweren Dauerfolgen, § 85 StGB.

    ... eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren ist zu verhängen.

    Wo bleibt die Strafe ? Und wer wird bestraft?“

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