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Innere Medizin 30. Juni 2005

Gesundes Gewicht auf Dauer statt Traumfigur auf Zeit

Auf jeden Gewichtsverlust folgt eine Reduktion des Grundumsatzes. Darin liegt mitunter die Ursache, warum Abnehmen so schwer ist. Da Sibutramin nicht nur das Sättigungsgefühl, sondern auch die Thermogenese steigert, schafft es die idealen Voraussetzungen, um den gestörten Energiehaushalt des Adipösen langfristig wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Dualer Wirkmechanismus

"Die Adipositas ist eine der größten aktuellen gesundheitspolitischen Herausforderungen", war Prof. Dr. Michael Lean, Glasgow, bei einem Gewichtsmanagement-Workshop in Baden bei Wien überzeugt. "Um das Problem in den Griff zu bekommen, sind wir auf pharmakotherapeutische Unterstützung angewiesen. Denn eine Normalisierung der gesteigerten Morbidität und Mortalität von Übergewichtigen ist nur durch ein dauerhaftes Gewichtsmanagement möglich. Und das, so weiß man aus der Erfahrung, ist ohne Medikamente nur in den wenigsten Fällen realisierbar", so der Experte weiter.

Ein großer Schritt in die richtige Richtung ist mit der Entwicklung von Sibutramin (Reductil®) gelungen. Sibutramin ist das erste Präparat einer neuen Klasse von Antiadiposita mit dualem Wirkansatz. Als Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer hat es zwei Hauptangriffspunkte: Zum einen den Hypothalamus, wo das Sättigungszentrum lokalisiert ist, und zum anderen das sympathische Nervensystem, welches den peripheren Energieverbrauch reguliert.

Im Hypothalamus führt die Wiederaufnahme-Hemmung von Serotonin und Noradrenalin zum rascheren Erreichen eines angenehmen Sättigungsgefühls, im sympathischen Nervensystem wird die Thermogenese angekurbelt. Von den früher erhältlichen Appetitzüglern unterscheidet sich Sibutramin wesentlich: Es wirkt nicht in der Nervenzelle, sondern außerhalb, im synaptischen Spalt, und kann somit keine unphysiologische Transmitterausschüttung herbeiführen.

Übergewicht ist eine chronische Erkrankung

Was die Interaktionen mit anderen Medikamenten betrifft, so hielt Lean fest, "dass Sibutramin zwar nicht mit Antidepressiva oder Antipsychotika kombiniert werden sollte, mit der breiten Palette der Medikamente, die bei Adipositas-assoziierten Krankheiten wie Diabetes, Hypertonie oder Hyperlipidämie häufig eingesetzt werden, gibt es jedoch keinerlei Interaktionen". Als einzige Ausnahme erwähnte Lean die Betablocker: "Doch auch hier, wo eine Beeinflussung der Wirkung zu erwarten wäre, konnte diese in den Studien nicht beobachtet werden."

Man kann davon ausgehen, dass in den westlichen Industriestaaten manche Menschen ab dem 40. Lebensjahr jährlich bis zu 2 kg zunehmen. Werden die Möglichkeiten der Prävention nicht rechtzeitig wahrgenommen, schreitet die Gewichtszunahme fort, bis körperliche Beschwerden entstehen. Genau dies ist der Punkt, wo Übergewichtige laut Lean am besten "zu knacken" sind: "Denn das erhöhte kardiovaskuläre Risiko spüren sie nicht, sehr wohl aber die Symptome der Erkrankung. Kurzatmigkeit, Rücken- und Gelenkschmerzen, leichte Erschöpfbarkeit oder unfreiwilliger Harnverlust beeinträchtigen die Lebensqualität beträchtlich."

Moderate, dauerhafte Gewichtsreduktion

Ziel jeder Adipositas-Therapie ist eine moderate, dauerhafte Gewichtsreduktion von 5-10% des Ausgangswertes. Damit können nicht nur die gewichtsassoziierten Beschwerden spürbar gebessert werden, vielmehr führt solch ein moderater Gewichtsverlust auch zu einer deutlichen Senkung der Mortalität.
"Mit dauerhaftem Erfolg darf man jedoch nur rechnen, wenn zwischen Arzt und Patient realistische Ziele vereinbart werden", schränkte Lean ein. "Dabei müssen wir", so der Experte weiter "unser Augenmerk viel mehr als bisher auf das Halten des Gewichtes richten. Natürlich kommt der Patient um eine Lebensstiländerung nicht herum. Er darf sich aber berechtigter Weise kräftige Hilfe von Seiten der Medizin erwarten."

Denn wie die im "The Lancet" veröffentlichte STORM-Studie kürzlich zeigte, ist mit Sibutramin nicht nur ein beträchtlicher Gewichtsverlust zu erzielen. "Vielmehr macht das Medikament genau das möglich, was am allerschwersten ist: das Gewicht langfristig zu halten", betonte Lean optimistisch. 

Quelle: ReducTeam-Workshop, 10. März 2001, Baden bei Wien

Dr. Anita Kreilhuber, Ärzte Woche 14/2001

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