zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 30. Juni 2005

Kein Lymphödem, keine Fettsucht

Wenn auch ungefährlich, so ist ein Lipödem für die Betroffenen doch nicht nur aus kosmetischen Gründen eine schlimme Erkrankung. Dabei handelt es sich um eine extreme Fettgewebsvermehrung, vor allem im Bereich von Hüfte und Oberschenkel. Um ein Fortschreiten der Erkrankung und Komplikationen zu verhindern, empfiehlt sich eine frühzeitige und konsequente Kompressionstherapie.

Falsch: "Da kann man nichts machen!"

"Das ist eine Fettgewebswucherung, da kann man nichts machen!" Mit einer solchen Einstellung wird nicht selten Patienten mit Lipödem jede Hoffnung auf eine wirksame Behandlung genommen. Dies ist jedoch nicht gerechtfertigt; denn auch beim Lipödem handelt es sich letztlich um eine lymphologische Erkrankung, die effektiv behandelt werden kann.

Das Lipödem ist keinesfalls Ausdruck einer Adipositas - daher ist es unsinnig, den Patienten eine Abmagerungskur zu empfehlen. Vielmehr handelt es sich um eine anlagebedingte lokale Fettgewebsvermehrung, die auch als Lipohypertrophie bezeichnet wird. Sie manifestiert sich vorzugsweise an den Oberarmen und der Hüft- beziehungsweise Oberschenkelregion. Das pathologische Fettgewebe neigt zur Wassereinlagerung, sodass sich aus der Lipohypertrophie allmählich ein Lipödem entwickelt. Der Ödematisierung liegt primär keine Schädigung der Lymphgefäße zugrunde.

In den meisten Fällen kann das Lipödem mittels klinischem Befund diagnostiziert werden. Primär müssen andere Ödemursachen wie zum Beispiel ein primäres Lymphödem oder ein Ödem im Rahmen einer tiefen Beinvenenthrombose oder bei einer chronisch venösen Insuffizienz ausgeschlossen werden. Typisch für das Lipödem ist, dass die Aussenseite der Oberschenkel stärker betroffen ist. Meist findet sich ein weiterer Fettlappen an der Innenseite des Kniegelenks. Im Unterschied zum klassischen Lymphödem kann beim Lipödem zumindest anfänglich durch Fingerdruck keine Delle provoziert werden. Eine solche entwickelt sich erst, wen in Spätstadien sekundär ein Lymphödem hinzukommt.

Unterscheidung zum Lymphödem wichtig

Ein wichtiges Unterscheidungskriterium ist auch das Hautfaltenbild: Während beim Lipödem die Dicke der Hautfalte normal ist, findet sich beim Lymphödem immer eine Faltendicke von über 2 cm. Die Ausbildung einer Orangenhaut ist beim Lymphödem nicht möglich, beim Lipödem jedoch sehr ausgeprägt.

Auch auf die Hautkonsistenz soll geachte werden: Das Lipödem fühlt sich wellig-knotig an, dass Lymphödem dagegen glatt und prall. Beim Lipödempatienten ist au?erdem die Schmerzempfindlichkeit in der befallenen Region deutlich erhöht. Darüber hinaus besteht eine gesteigerte Hämatomneigung und der Hautturgor ist wesentlich schlaffer als beim Lymphödem. Zur weiteren Diagnostik empfiehlt sich der Ultraschall. Viele Patienten mit einem Lipödem werden falsch oder gar nicht behandelt, zumal die Erkrankung häufig als Lipome oder Adipositas fehlinterpretiert wird.

Die wichtigste Behandlung: ist die Kompressionsstrümpfe in Kombination mit manueller Lymphdrainage. Wird frühzeitig begonnen, kann der Übergang des Lipödems in ein Lymphödem verhindert werden. Bei ausgeprägten Befunden sollte der Strumpf erst dann angepasst werden, wenn durch eine intensive manuelle Lymph- drainage beziehungsweise lymphologische Kompressionsbandagierung die Ödeme weitgehend mobilisiert sind. Bei einer sehr starken Fettgewebsvemehrung im Hüftbereich kann auch eine Liposuktion diskutiert werden. Sie darf jedoch nur dann durchgeführt werden, wenn zusätzlich keine sekundäre Lymphstörung vorliegt.

Quelle: MMW 35-36

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben