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Innere Medizin 30. Juni 2005

Kinder sollen behutsam und langsam abnehmen

Ulm. Halbherzige Abspeckversuche und abgebrochene Therapien können übergewichtigen Kindern mehr schaden als nutzen. Kleine Veränderungen in der Ernährung und schrittweises Steigern der körperlichen Aktivität dagegen versprechen Erfolgserlebnisse - in der Kinderpsyche und auf der Waage. Das Selbstwertgefühl der jungen Patienten leide, wenn Therapieversuche erfolglos seien.

Damit sinke die Motivation zur weiteren Diät, so Dr. Sarah E. Barlow und Dr. William H. Dietz aus Boston in den US-Richtlinien zur Adipositas bei Kindern. Privatdozent Dr. Martin Wabitsch von der Universität Ulm bestätigt das (Klin. Pädiatr. 212, 2000, 287).
Um einen nachhaltigen Erfolg bei der Gewichtsreduktion zu erzielen, sollten übergewichtige Kinder zunächst ihr Gewicht halten. Nach und nach kann der Arzt je zwei bis drei Veränderungen pro Vorstellung verordnen - etwa mehr körperliche Aktivität oder das gezielte Weglassen kalorienreicher Nahrung. Wichtig sei auch, die gesamte Familie und alle betreuenden Personen des Kindes mit in die Therapie einzubeziehen. Gleich zum Spezialisten oder ins Spezialzentrum müssen Kinder, bei denen Entwicklungsverzögerungen oder endokrine Störungen auftreten.

Es gibt Begleiterkrankungen des Übergewichts, die ein unverzügliches Abspecken erfordern.

Symptome dafür lassen sich in der Anamnese finden:

  • Schnarcht das Kind? Wenn ja, dann sind möglicherweise die Tonsillen vergrößert und behindern die nächtliche Respiration.
  • Erbricht das Kind häufig? Oder nimmt es Abführmittel, um nicht weiter zuzunehmen? Dies ist ein Hinweis auf eine Essstörung. Essgestörte Kinder benötigen eine psychotherapeutische Betreuung und dürfen nicht ohne weiteres ein Gewichtsreduktionsprogramm absolvieren.
Mediziner oder Therapeuten, die eine intensive Betreuung nicht leisten können, sollten die übergewichtigen Kinder zu einem Pädiater überweisen, der sich auf die Behandlung adipöser Kinder spezialisiert hat, oder sie in ein Spezialzentrum überweisen.

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