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Innere Medizin 20. Oktober 2005

Die globale Epidemie

In den letzten beiden Jahrzehnten ist die Adipositas zu einer weltweiten Epidemie geworden. Auch die Esslust der ÖsterreicherInnen ist gewaltig: 40 Prozent sind übergewichtig, elf Prozent sogar adipös. In Zahlen ausgedrückt: Wir schleppen in Österreich rund 23 Millionen Kilogramm Übergewicht mit uns herum. Insbesonders bei Kindern ist die Entwicklung dramatisch geworden.

Folgeerkrankungen

Die schweren Folgen der Adipositas sind eine Reihe von Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauferkrankungen, Depressionen, Gallensteine, Brust- und Darmkrebs sowie Arthrose. Die Prävalenz der Adipositas wird in Österreich bei einem Body-Mass-Index (BMI) 30 mit etwa 10 Prozent angegeben, etwa ein Prozent ist sogar extrem übergewichtig (BMI40).

"Wir leben mit dem Stoffwechsel von Steinzeitmenschen in der Überflussgesellschaft", definierte Prof. Dr. F. Hoppichler, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, Salzburg, das Problem. "Nimmt ein Adipöser ein weiteres Kilogramm zu, steigt das Herz-Kreislauf-Risiko um 3,1 Prozent. Wenn das Körpergewicht nur um 10 Prozent gesenkt wird, verringert sich das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall bereits deutlich."
Die Adipositas gilt als unabhängiger Risikofaktor für Herzinfarkt und Herztod und ist häufigste Ursache für Bluthochdruck. Mehr als zwei Drittel aller Herzerkrankungen gehen zu Lasten von Übergewichtigkeit. Mit zunehmenden Kilos steigt aber auch das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.

Die Zusammenhänge werden aus folgenden Zahlen ersichtlich:

  • 80 Prozent aller Diabetiker sind adipös

  • 50 Prozent aller Hypertoniker sind adipös

  • 50 Prozent aller Personen mit Fettstoffwechselstörungen sind adipös.

Die Adipositas erhöht die Mortalität in Abhängigkeit des Gewichtes durchschnittlich auf das Doppelte. "Übergewicht ist kein kosmetisches Problem, es ist eine chronische Erkrankung und bedarf daher einer langdauernden Betreuung", so Hoppichler. Auch falsche Ernährungsgewohnheiten spielen eine große Rolle: Derzeit werden 45 Prozent der Energiezufuhr durch Fett gedeckt, 15 Prozent durch Eiweiß und 40 Prozent durch Kohlenhydrate - es sollten jedoch nur maximal 30 Prozent in Form von Fett zugeführt werden, das entspricht 70 Gramm pro Tag.

3-Säulenkonzept

"Alarmierende Basis ist nicht nur die Überernährung und Fettfehlernährung, sondern insbesonders das Fehlen von Bewegung, was die Entwicklung von Speicherfett begünstigt", betonte Prof. Dr. Hermann Toplak, Medizinische Universitätsklinik Graz. Fettspeicher, die nicht abgebaut werden, lassen die Entwicklung von Blutfetterhöhungen und Diabetes explodieren.

X-AKTIV ist ein neues Programm der Firma Roche, bei dem die drei Säulen Ernährung, Bewegung und medikamentöse Therapie kombiniert werden. Es wurde nach neuesten medizinischen Erkenntnissen zur Behandlung von Adipositas entwickelt. Jeder kann kostenlos teilnehmen, das fundierte Programm wird individuell auf die Person abgestimmt. Unter der Leitung und Betreuung des Sportwissenschaftlers Mag. Bernd Tschiltsch und der Ernährungswissenschaftlerin Mag. Petra Vogt werden richtige Bewegung und Ernährung trainiert.

Peripherer Lipasehemmer

Ziel ist ein möglichst flächendeckendes, österreichweites Angebot. Die medikamentöse Unterstützung erfolgt mit Orlistat (Xenical®), einem peripheren Lipasehemmer, der im Darm wirkt: Die Aufnahme von Fett wird durch Orlistat deutlich verringert, etwa ein Drittel des aufgenommenen Fettes wird wieder ausgeschieden. Allerdings sollten nicht mehr als die empfohlenen 70 Gramm Fett pro Tag aufgenommen werden, da ansonsten mit Nebenwirkungen wie zum Beispiel Fettstühlen zu rechnen ist.

"Als Krankheit sollte Adipositas ärztlich behandelt werden, X-AKTIV stellt sicherlich eine begrüßenswerte Initiative im Kampf gegen das Übergewicht dar", so der Präsident der Österreichischen Adipositas Gesellschaft, Prof. Dr. Bernhard Ludvik von der Universitätsklinik für Innere Medizin III am AKH Wien.

Informationen über X-AKTIV sind bei Ärzten, Apothekern und im Internet www.x-aktiv.net  erhältlich.

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