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Innere Medizin 30. Juni 2005

Mit Mikroskop und Petrischale

Der Mikrobiologe sieht durchs Okular kleine, stäbchenförmige Gebilde mit einer umhüllenden Kapselstruktur und attestiert: "Gram-Färbung positiv!" So könnte im Labor die erste Untersuchung einer Anthrax-Probe aussehen. Im Nasenabstrich, in Blut, Speichel, Stuhl, Liquor- oder Aszitesflüssigkeit lassen sich die Milzbrandbakterien nachweisen. Zur Akutdiagnostik dienen noch immer Petrischalen mit Blut-Agar, auf denen Milzbrand in vier bis fünf Millimeter großen grauweißlichen Bakterienkolonien wächst - charakteristischer kleiner Ausläufer wegen "Medusenhaupt" genannt.

Neuere Nachweismethoden (PCR), die für Anthrax typische DNA-Strukturen suchen und markieren, eignen sich noch nicht für die Routinediagnostik. Serologische Untersuchungen, mit denen sich Antikörper gegen Bacillus anthracis finden lassen, liefern keine sicheren Hinweise auf eine akute Anthrax-Infektion. Sie zeigen frühere Erkrankungen und bestehenden Impfschutz an. Die jüngste amerikanische Entwicklung eines Schnelltests für Milzbrand, den die Firma Roche auf den Markt bringen will, muss ihre Funktion und Finanzierbarkeit erst noch beweisen.

Das Anthrax-Bakterium selbst ist eigentlich gar nicht so sehr gefährlich. Leichtes Erhitzen oder sanfte Desinfektionsmittel machen ihm sehr schnell den Garaus. Die eigentliche Gefahr bergen die Sporen, die das Bakterium bildet, sobald es mit Sauerstoff in Berührung kommt. In dieser Form überdauert das Bakterium mehr als 40 Jahre. 
UV-Licht kann ihm dabei ebenso wenig anhaben wie zehnminütiges Kochen, Austrocknung oder verschiedene Desinfektionsmittel.

Als Spore haftet es an Gras und anderen Pflanzen, die von Primärwirten -hauptsächlich Kühen, Schafen und Ziegen, aber auch Pferden, Hunden, Katzen und Schweinen - gefressen werden. Erkrankte Tiere sterben innerhalb von zwölf bis 36 Stunden. Die dunkel verfärbte - "verbrannte" - Milz, die bei der Obduktion zum Vorschein kommt, gab der Krankheit den Namen.

Dr. Lutz Reinfried, Ärzte Woche 40/2001

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