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Innere Medizin 30. Juni 2005

Die Anthrax-Message im WWW

Mediziner, die das Thema nicht übersehen wollen, gehen in diesen Tagen zumindest virtuell nach Amerika. Hier finden sich auf allen einschlägigen Homepages und Gesundheitsportalen an vorderster Stelle Hinweise auf Anthrax. Die generelle Message lautet: Keine Panik! Die Amis klären auf, informieren, beruhigen und setzen im Fall des Falles auf ihre gute Logistik beim Verteilen von Antibiotika.

Eine der Möglichkeiten, Infos aus erster Hand zu bekommen, bietet die Medical Society of the State of New York (www.mssny.org). Hier findet sich auch ein Link zur American Medical Association, wo unter anderem zu lesen ist: "There is no indication for the widespread prescription of antibiotics to prevent anthrax..." Auch hier beruhigt man, dass man innerhalb von 12 Stunden landesweit Antibiotika verteilen kann. Wer einen fundierten wissenschaftlichen Artikel zum Thema sucht, findet eine Publikation eines 21-köpfigen Expertenteams zum Thema "Anthrax as a Biological Weapon" im "Journal of the American Medical Association" (JAMA, vol. 281, No 18) vom 12. Mai 1999, das auch als zwölfseitiges pdf-Format verfügbar ist (http://jama.ama-assn.org/issues/v281n18/ffull/jst80027.html) . Dieser ist Teil einer Serie, zu der auch Artikel über Hasenpest (Tularämie), Pest, Botulinum-Toxine und Pocken erschienen sind, die erst angesichts der aktuellen Ereignisse frei verfügbar gemacht wurden.

Frühe Antibiotikagabe

Als Therapie wird festgehalten: "early antibiotic administration is essential!" Zudem sollten alle Personen im Umfeld von Anthraxerkrankungen solange mit Antibiotika behandelt werden, bis eine Erkrankung definitiv ausgeschlossen werden kann. Penicillin gilt als klassisch, erste Wahl sind jedoch Doxyzykline. Essentielle wissenschaftliche Informationen finden sich auch beim Department of Bacteriology der Universität von Wisconsin Madison (www.bact.wisc.edu/Bact330/lectureanthrax).

Eine weitere wichtige Seite ist das Center for Disease Control and Prevention (www.cdc.gov). Hier findet sich für den medizinisch interessierten Laien allerhand nützliche Info. Was vermieden wird, ist Panikmache. Antibiotika - je früher, desto besser - bieten optimalen Heilungserfolg. Von Impfungen wird ebenso abgeraten wie vom Bevorraten von Antibiotika.

Deutschsprachige Infos

Bei Medizin Worldwide (www.m-ww.de), einem deutschen Portal für Patienten, finden sich fachlich fundierte und leicht lesbare Informationen zum "Sonderthema Milzbrand". Auch hier ist in keiner Weise von Panik die Rede. Fazit: Die rechtzeitige Gabe von hoch dosiertem Ciprofloaxin ist ein ausreichender Schutz. In Sachen Pulverbriefe liest man: "Falls ein verdächtiger, mit Pulver gefüllter Brief auftaucht, rät das Robert Koch Institut in Berlin: das Pulver nicht einatmen, nicht anfassen, nicht verschlucken und die Polizei und Feuerwehr benachrichtigen."

Robert Koch Institut: Empfehlenswert

Eine kompakte Info, die auch als vierseitiges pdf-Format vom 12. Oktober verfügbar ist, bietet das Robert Koch Institut an (www.rki.de/GESUND/GESUND-BT.HTM). Hier werden alle Punkte vom Erreger über klinische Symptomatik, Therapie, sowie Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen bis hin zu einer Falldefinition und Meldepflicht klar und übersichtlich zusammengefasst. Als Übersicht lohnt es sich, diese Seiten auszudrucken.

Die umfangreichste österreichische Site bietet www.med4you.at/aktuelles/akt_anthrax.htm, wo unter einem eigenen Menüpunkt alles penibel erläutert wird.

Auch hier wird informiert, aufgeklärt und hingewiesen, dass kein Grund zur Panik besteht. Seitens des offiziellen Österreich wird auf der Website des BM für soziale Sicherheit und Generationen in Sachen Milzbrand - Anthrax findet die Suchmaschine nicht - beruhigt.

Seit 1950 traten in Österreich insgesamt 87 Milzbrandfälle bei Menschen auf, der letzte 1986.

Thomas Hofmann, Ärzte Woche 38/2001

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