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Innere Medizin 30. Juni 2005

Experte: Keine Anthrax-Gefahr

Anthrax-Bakterien in den USA haben auch in Österreich für Beunruhigung gesorgt. Obwohl die Eigenschaften der Bakterien - leicht herzustellen, jahrelang haltbar, sehr widerstandsfähig, äußerst anspruchslos - furchterregend sind, sieht ein Experte keine akute Gefahr für Österreich.
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Graninger, Leiter der klinischen Abteilung für Infektionen und Chemotherapie am Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH), kann sich etwaige Horrorszenarien durch einen Anschlag mit Anthrax-Bakterien auf größere Wohngebiete nicht vorstellen: "Der durch diese Bakterien enstehende Milzbrand kann nur in großen, flachen Gebieten entstehen, wo es trocken und windig ist."

Wirklich gefährlich könne die Krankheit nur für jene Personen werden, die sich in solchen Gebieten aufhalten - weit entfernt vom nächsten Arzt. Graninger im APA-Gespräch: "Jedes Antibiotikum wirkt gegen Milzbrand."

Fälle von Milzbrand treten in Österreich immer wieder auf, jedoch vorwiegend am Land, wo Menschen mit befallenen Tieren in Kontakt kommen. Und auch da meist nur äußerlich - in Form eines Geschwürs. "Man müsste schon eine große Menge der Bakterien inhalieren, damit sie in die Lunge kommen", so Graninger.

Anthrax-Bakterien in der Lunge verursachen hohes Fieber - das Aufsuchen eines Arztes wäre laut Graninger in so einem Fall ohnehin selbstverständlich: "Und dort bekommt man automatisch Antibiotika verabreicht." Milzbrand ist eine infektiöse Tierkrankheit, die vor allem Wiederkäuer und Schweine befällt. Die Inkubationszeit beträgt einige Stunden bis mehrere Tage. Die ersten Symptome sind unter anderem Fieber, Schüttelfrost, Koliken und Atemnot.

Es gibt drei Arten von Milzbrand: Den durch direkten Kontakt ausgelösten Haut-Milzbrand, den bei Einnahme von verseuchtem Fleisch oder Milch enstehenden Darm-Milzbrand - und den durch Einatmen durch Milzbrandsporen hervorgerufenen Lungen-Milzbrand.

Mikrobiologe Graninger bestätigt auch die relativ leichte Herstellung der Anthrax-Bakterien: "Sie lassen sich einfach züchten, aber sehr schwer verbreiten. Denn man müsste aus der Bakterien-Masse erst einmal ein Pulver erzeugen - und das in großen Mengen." Anschläge auf Einzelpersonen - wie der Fall in den USA beweist - seien, so Graninger, keine Schwierigkeit. Terroranschläge auf österreichische Großstädte "nahezu ein Ding der Unmöglichkeit."

Kein Impfstoff registriert

Die Tiroler Apothekerkammer hat darauf verwiesen, dass in Europa derzeit kein Impfstoff gegen Milzbrand registriert sei. Es gebe lediglich bei amerikanischen Militärstellen einen derartigen Impfstoff, der auch in der Vergangenheit für die Immunisierung von Soldaten in Expositionsgefahr eingesetzt worden sei.

Nach Angaben von Experten gebe es eine Prophylaxe gegen Milzbrand in Form von bestimmten Antibiotika. Man solle aber nicht selbstständig experimentieren. Antibiotika sollten nur auf genaue ärztliche Verordnung eingenommen werden. Das gelte in besonderem Maße auch in diesem Fall.

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